Viel wird aktuell über die Bezahlsysteme der Zukunft diskutiert. Dabei werden schon seit längerem auf europäischer Ebene Fakten geschaffen und die technischen sowie rechtlichen Voraussetzungen für neue Bezahldienste festgelegt. Zum Beispiel für Instant Payments.


Europa setzt auf Instant Payments:

Im Dezember 2014 hat das European Retail Payments Board (ERPB) gefordert, dass es auf kurze Sicht mindestens eine europaweite Lösung für Echtzeitzahlungen mit einer Verfügbarkeit von 24/7/365 im Massenzahlungsverkehr geben soll. Instant Payments unterscheiden sich von Eilüberweisungen darin, dass Instant Payments tatsächlich sofort verarbeitet werden, während Eilüberweisungen die vorhandenen Clearing & Settlement-Zeitfenster verwenden.

Das European Payments Council (EPC) hat im November 2015 einen Vorschlag für ein optionales Instant-SEPA-Überweisungsschema (SCTinst) veröffentlicht. Bei Instant Payments werden Zahlungen pro Einzeltransaktion in das Clearing und, unter Umständen, auch das Settlement gegeben. Derzeit zeichnet sich die Tendenz zum nachgelagerten Settlement (beispielsweise über TARGET2) ab: Hier kann der Zahlungsempfänger erst nachgelagert über den Betrag verfügen.

Bis November 2016 soll das EPC das Regelwerk für Instant Payments als elektronische, multikanalfähige Zahlungsverkehrslösung in EURO entwickeln. Die Implementierung des Instant Payments-Verfahrens ist bis November 2017 geplant.

Nationale Instant Payments-Verfahren sind bereits in den europäischen Ländern Dänemark, Polen, Schweden und im Vereinigten Königreich verfügbar. Um eine weitere Fragmentierung der Verfahren zu verhindern sowie die Harmonisierung der Zahlungsverkehrsmethoden fortzuführen, soll nun ein europaweites Verfahren geschaffen werden.

Die regulatorischen Vorgaben finden Sie auf den folgenden Webseiten:

  • Europäische Zentralbank
  • European Payments Council

Anforderungen der beteiligten Parteien:

Händler bzw. Unternehmen:

Händler möchten durch die Vereinfachung der Bezahlprozesse (E-Commerce und POS) ihren Marktanteil stärken sowie Zahlverfahren mit großer Reichweite anbieten. Für die Akzeptanz des Verfahrens müssen hohe Sicherheitsstandards, eine einfache Handhabung und praxistaugliche Technik (Interoperabilität, Abwicklungsgeschwindigkeit, Multikanalfähigkeit etc.) gegeben sein.

Für den Händler müssen die Kosten zum Aufbau der notwendigen Infrastruktur sowie die Gebühren der Transaktionen in Relation zum erwarteten Nutzen stehen.

Das Zahlverfahren Instant Payments ermöglicht im Allgemeinen keine Rückgaben durch den Zahlungspflichtigen, sondern beinhaltet garantierte Zahlungen. Somit entfallen für den Händler Kosten für die Bearbeitung von Rückgaben. Trotzdem sollte der Händler seinem Kunden einen Käuferschutz anbieten und ihm so die Möglichkeit einräumen, eine Rückabwicklung im Nachhinein zu veranlassen.

Konsumenten:

Das Instant Payments-Verfahren muss zusätzlich auch die kritische Masse von Konsumenten erreichen. Dies kann analog der Händler-Seite über hohe Sicherheitsstandards, eine einfache Handhabung und eine praxistaugliche Technik erfolgen. Als zusätzlicher Aspekt zur Sicherheit muss anonymes Bezahlen ermöglicht werden. Dies bedeutet, dass der Händler Name, Anschrift und Kontodaten des Kunden nur dann erhält, wenn der Kunde dies explizit autorisiert hat.

Des Weiteren müssen auch anderweitige Überweisungen mit sofortiger Wirkung ausgeführt werden können, beispielsweise im Restaurant zum Aufteilen des Rechnungsbetrags zwischen mehreren Personen.

Herausforderungen im Instant Payments-Prozess

  • Da der gesamte Zahlungsvorgang am POS derzeit nur 15 - 20 Sekunden dauert, muss das Instant Payments-Verfahren diese Zeitlimits einhalten. Folgende Zeitfenster werden derzeit diskutiert:
    • Interbanken-Verarbeitung innerhalb von 1,5 Sekunden
    • Gesamter Vorgang innerhalb von 5 Sekunden abgeschlossen
  • Die Rechnungsdaten werden vom Portal bzw. am POS von der Kasse des Zahlungsempfängers auf die Payment-App des Handys vom Zahlungspflichtigen übertragen. Dies kann beispielsweise mittels QR-Code/Strichcode oder über NFC erfolgen. Es muss ein offener Standard definiert werden, um die Interoperabilität der Systeme zu gewährleisten. Die Infrastruktur am POS muss durch den Händler bereitgestellt werden.
  • Die Banken des Zahlungspflichtigen und des Zahlungsempfängers müssen eine Infrastruktur bereitstellen, die Instant Payments ermöglicht. Die IT-Systeme, Schnittstellen und Prozesse sind derzeit nicht für eine Echtzeit-Verarbeitung ausgelegt. Der Zahlungsempfänger benötigt zusätzlich die Möglichkeit, den sofortigen Erhalt der Zahlung zu prüfen und zu bestätigen.
  • Bei Ablehnung der Transaktion durch die erste oder zweite Zahlstelle muss die Information der nicht erfolgreichen Ausführung dem Zahlungspflichtigen und dem -empfänger bereitgestellt werden. Dies ist derzeit nicht Bestandteil des vom EPC entwickelten Regelwerks.
  • Die Ausführung innerhalb von Sekunden führt dazu, dass Clearinghäuser anstatt der derzeitigen Batchverarbeitung eine sofortige Ausführung ermöglichen müssen. Dazu müssen die entsprechenden Verfügbarkeiten geschaffen und Kapazitäten ausgebaut werden. Arbeitsrechtliche Gesichtspunkte aufgrund des 24/7/365-Betriebs sind ebenfalls zu berücksichtigen.
  • Im Fall vom nachgelagerten Settlement muss das Settlement-Risiko untersucht, bewertet und gesteuert werden. Es müssen entsprechende Sicherheiten geschaffen und die Vorfinanzierung geklärt werden.
  • Im gesamten Zahlungsverkehrsprozess müssen die Vorgaben zur Betrugs- und Geldwäscheprävention eingehalten werden. Die Implementierung von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsvorschriften sind zwingend notwendig.
  • Die Vorgaben aus der Zahlungsverkehrsrichtlinie II (PSD II) sind zu berücksichtigen. HIER finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema.

Vorteile von Instant Payments

Provider können neue Umsatzpotentiale erschließen und die Kundenbeziehung festigen. Durch Instant Payments werden die Einträge aus Zahlungsverkehr und Kontoführung sichergestellt und gesteigert. Es wird ein europaweiter Konkurrenzdienst zu PayPal und dem deutschen Verfahren giropay und paydirekt geschaffen. Auf Basis der Instant Payment-Infrastruktur können weitere Finanzdienstleistungen mit hoher Verfügbarkeit entwickelt werden.

Für die Digitalisierung Europas ist die Verfügbarkeit von Instant Payments ein Meilenstein, da dieses Verfahren auch E- und M-Payments weiter fördert.

Mittels Instant Payments können Unternehmen ihr CashFlow-Management optimieren und damit unter Umständen den Bedarf an externen Finanzierungen reduzieren.

Die Vorgänge, bei denen heute Bargeld und Schecks eingesetzt werden, können zukünftig über Instant Payments abgewickelt werden. Gesamtwirtschaftlich werden damit Kosten reduziert, da Bargeld und Schecks nicht mehr verwaltet werden müssen.

Ablauf von Instant Payments

Instant Payments - Ablauf

 

  1. Der Zahlungspflichtige beauftragt eine Instant Payment-Zahlung über eine mobile App bei seiner Bank. Die Zahlungsdaten erhält der Zahlungspflichtige vom Zahlungsempfänger beispielsweise durch das Einscannen eines QR-Codes (offener Standard).
  2. Die Bank prüft sofort die Kontodeckung. Bei nicht ausreichender Kontodeckung sollte sowohl der Zahlungspflichtige als auch der Zahlungsempfänger benachrichtigt werden (2a), wobei die Information des Zahlungsempfängers bisher nicht vorgesehen ist. Bei ausreichender Kontodeckung leitet die Auftraggeber-Bank die Zahlung sofort in das Clearing weiter.
  3. Im Clearing wird die Zahlung ebenfalls sofort verarbeitet. Kann die Zahlung nicht verarbeitet werden, wird die Auftraggeber-Bank unmittelbar benachrichtigt. Die Auftraggeber-Bank sollte diese Information sowohl an den Auftraggeber als auch den Auftragnehmer weitergeben. Das Settlement kann entweder direkt oder nachgelagert geschehen.
  4. Die Empfänger-Bank verarbeitet die erhaltene Zahlung ebenfalls umgehend und benachrichtigt den Zahlungsempfänger bei erfolgreicher Verarbeitung über den Zahlungseingang. Kann die Zahlung nicht verarbeitet werden, so gibt die Empfänger-Bank eine Rückmeldung an die Auftraggeber-Bank.

Unser Leistungsportfolio

Unser Leistungsportfolio im Bereich Instant Payments umfasst folgende Angebote:

  • Wir beraten Sie zu Instant Payments und den Einsatzmöglichkeiten.
  • Wir unterstützen Sie dabei, neue Marktchancen mit Instant Payments zu identifizieren und geben Anregungen für Ihre europaweite Geschäftsentwicklung.
  • Wir unterstützen Sie bei der Analyse, Entwicklung, Projektleitung und Umsetzung Ihrer Instant Payments-Strategie