Scamper nicht Camper!

Kennen Sie das? Das Team soll mit neuen Ideen und  Herangehensweisen eine Lösung für eine aktuelle Problemstellung erarbeiten.  Es wird ein Meeting angesetzt, alle sind hoch motiviert, Post-It’s werden wie wild geklebt, es wird laut diskutiert, der Mond ist auf einmal gar nicht so weit weg und plötzlich stockt es. Es fallen Worte wie, „das geht nicht“, „das haben wir schon immer so gemacht“, „dafür ist kein Geld da“, „so kommen wir nie voran“, oder noch schlimmer keiner sagt mehr etwas, jeder schaut nur stur vor sich auf den Tisch. Was ist schief gegangen?

Um so etwas zu vermeiden sollten in Kreativ-Meetings auch Kreativ-Methoden eingesetzt und angewendet werden. Dann kann man oft auch mit wenig Aufwand (Zeit, Budget) etwas neues aus bestehenden Erfahrungen, Anwendungen schaffen.  In unseren Methoden-Reihe stellen wir einige der wichtigsten vor… heute „Scamper“.

Die Scamper-Methode – ein Beispiel

Der Auftrag war klar und das Zeitfenster klein, es ging darum innerhalb einer Stunde eine Idee (oder gerne auch mehrere) zu finden, die es dem Unternehmen erlaubt, besser und anders als heute in Interaktion mit den Kunden zu treten. Ziel war es, die Herausforderungen des Kunden von morgen zu verstehen. Wir mussten auch nicht bei null starten, sondern es gab schon eine Basis bzgl. Produkte, Methoden, Erfahrungen im Hier und Jetzt, auf die man ggf. aufsetzten konnte und wollte.

Die Herausforderung war aber, was davon ggf. weiter genutzt oder modifiziert werden kann – ohne zeitgleich alten Wein in neue Schläuche zu füllen – und das in möglichst kurzer Zeit und geringem Budget.

Das war der Punkt, an dem unser „Scamper“ ins Spiel kam. Die Kreativitätsmethode selbst gibt es schon relativ lange. Kennengelernt habe ich sie ursprünglich in meiner Design Thinking Ausbildung, seitdem nutze ich sie regelmäßig auch außerhalb von Desgin Thinking Workshops. Wie heute, als ein Team von Senior Managern das Ziel hatte, die Herausforderungen des Kunden von morgen besser verstehen und beantworten zu können. Sprich, die bisherigen Wege der Kundenbindung und -gewinnung waren ausgetreten, die Konkurrenz drückte vermehrt in den Markt, es sollte ein neuer Weg etabliert werden.

Der Scamper erlaubt es, bestehende Produkte und neue Ideen einzubringen, zusammenzubringen, die Challange aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und Änderungen vorzunehmen. Das Ergebnis war eine Vielzahl an unterschiedlichsten Ideen und Perspektiven, von denen das Team dann drei in die direkte Umsetzung übernommen hat.

Wofür steht SCAMPER eigentlich?

Man kann sich die Methode wie eine kleine Liste vorstellen (wobei ich diese gerne in einem Kreis darstelle).

Abk.Engl.Bedeutung
SSubstituteErsetze – Komponenten, Materialien, Personen
CCombineKombiniere – vermische mit anderen Zusatzfunktionen oder Aggregaten; überschneide mit Service, integriere Funktionalität
AAdaptÄndere ab, verändere Funktion, verwende ein Teil eines anderen Elements, einer Baugruppe, eines Aggregats
MModifySteigere oder vermindere Größe, Maßstab oder -stäblichkeit, verändere Gestalt, variiere Attribute (Farbe, Haptik, Akustik, …)
PPut„Put to another use“ – Finde weitere Verwendung(en), finde anderen Zusammenhang zur Nutzung, formuliere den Anwendungsbereich um
EEliminateEntferne Elemente, Komponenten, reduziere auf Kernfunktion, vereinfache
RReverseKehre um, stülpe das Innere nach außen, stelle auf den Kopf, finde entgegengesetzte Nutzung

Wie geht man vor?

In einem ersten Schritt (“Substitute”) geht es darum zu prüfen, was man von dem existierenden Lösungen und Vorgehen ersetzen oder neu nutzen kann. Bei einer Produktentwicklung könnten man das gleiche auch bzgl. Prozesse, Material und Lieferketten betrachten. Damit das Ganze nicht in eine Endlosdiskussion entgleitet, sollte man die einzelnen Schritte in einem Timeboxing-Format von 5 Minuten durchführen.

Im nachfolgenden Schritt „Combine“ geht es dann darum zu sehen, was man ggf. mit anderen Lösungen kombinieren und vermischen kann. Anschließend, im Schritt „Adapt“ wird geprüft ob es etwas Ähnliches bereits gibt, das man übernehmen kann oder aus dem weitere Ideen resultieren. Spannend für alle Teilnehmer ist meist der Punkt “Put to another use” – sprich, wofür könnte die Lösung noch eingesetzt werden, bzw. wofür könnte man es einsetzen, wenn man es verändert („Modify“). Mit diesem bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten geht es in den Endspurt hinsichtlich “Verschlankung” („Eliminate“). Was kann man weglassen, ohne welche Features oder Inhalte würde es noch besser funktionieren. Innerhalb einer Stunde hatten wir eine Vielzahl an Varianten, davon wurden drei Punkte mittels Dot-Voting ausgewählt und direkt von einem Senior Manager als verantwortlicher Treiber des Themas übernommen.

Eine letzte Anmerkung

Aus der persönlichen Erfahrung zeigt sich, dass es gerade am Anfang wichtig ist, dass ein Moderator, der die Methode kennt, begleitet und durchführt. Die gewonnenen Ideen müssen zudem später nicht 1:1 umgesetzt werden, sondern können im Laufe der Entwicklung weiterentwickelt werden.

Lust auf mehr? Dann besuchen Sie doch einen unserer Design Thinking Workshops, oder sprechen Sie uns an.

Autor: Torsten Dibbert, Manager, it-economics