WJAX 2015: Wir waren dabei.

Die W-JAX 2015 ist vorbei und als Fazit kann ich sagen: „Schee war’s“.

Um meine Erfahrungen etwas ausführlicher mitteilen zu können, habe ich mich dazu entschieden, den Blog in mehrere Teile zu splitten. Im ersten und zweiten Teil erzähle ich vom ersten Tag der Veranstaltung, wobei beim zweiten Teil der Schwerpunkt auf der Agilität liegt. Im dritten Teil werde ich kurz auf die interessanten Vorträge der nachfolgenden beiden Tage eingehen. Den letzten Teil der Blog-Reihe widme ich dem Vortrag von Thilo Frotscher „Der glückliche Java-Entwickler“. Ich hoffe, dass Ihnen das Lesen genauso viel Freude bereitet wie mir die Konferenz.

Angefangen hat das Ganze für mich am Montag, den 02.11.2015. Als agile Entwicklerin konnte ich mir den Agile Day natürlich nicht entgehen lassen. An diesem Tag fanden einige Workshops zu diversen Themen rund um Java statt; ich habe mich jedoch dafür entschieden, mir Vorträge anzuhören, und wurde nicht enttäuscht.

Agile Verteilung: Geht nicht gibt’s nicht

Der Tag startete mit einer Begrüßung durch Mirko Schrempp. Er stimmte uns auf das Thema Agilität ein und brachte Beispiele aus dem Alltag, wie sich agiles Vorgehen auf die (in)direkt Beteiligten auswirkt. Im Anschluss berichteten Dr. Carola Lilienthal und Hennig Schwentner darüber, wie sie ein agiles Projekt, bei welchem das Team über zwei Standorte verteilt war, gemeistert haben. In ihrem Vortrag erläuterten sie, wie die Randbedingungen waren und welche angewandten Techniken sie als Erfolgsfaktoren für ihr Projekt sehen. Folgende Erfolgsfaktoren wurden identifiziert: 

  1. Klare Rollenverteilung: Jeder im Team wusste genau, was von ihm bzw. ihr erwartet wird. Eine ganz besondere Rolle ist der Brückenkopf. Diese Rolle wurde jede Woche von einem anderen Teammitglied ausgeübt. Die Person, die diese Rolle innehatte, wurde zum anderen Team-Teil abgesandt und arbeitete dort vor Ort mit.
  2. Mindestens täglicher Austausch beider Teams, u. a. über visuelle Medien. Die ersten Retrospektiven waren Präsenzveranstaltungen, bei den nachfolgenden ging man dazu über, nur noch den Brückenkopf vor Ort zu lassen.
  3. Kurze Iterationen. Anfänglich dauerten die Sprints drei Wochen. Nach den ersten Sprints wurde jedoch klar, dass die Iterationszeit auf eine Woche verkürzt werden muss.
  4. Als ein sehr wichtiger Faktor wurde der langjährige Erfahrungsschatz ihres Kernteams und des Scrum Masters in agiler Entwicklung genannt. Auf diese Weise konnte das Team nach und nach um weniger erfahrene Mitglieder erweitert werden, ohne auseinander zu brechen.
  5. Online und Offline Scrum Board. An jedem Standort wurde ein redundantes Scrum Board gepflegt. Dieses Vorgehen wird auch von mir favorisiert. Es ist einfacher, bei Dailies über physikalisch existierende Aufgaben zu sprechen, und eine größere Freude, wenn man die Story-Karten von „in work“ auf „done“ schieben kann.
  6. Und last but not least haben sich die Abnahmen nach jeder Iteration bewährt. Auf diese Weise konnte das System Stück für Stück fertiggestellt werden, ohne über Aufgaben grübeln zu müssen, die „fast erledigt“ sind.

Behaviour-driven Development in Plain Java

Als dritter in der Reihe stellte Dr. Jan Schäfer das Open-Source-Projekt JGiven vor: das Framework für Behaviour-driven Development in Plain Java [1]. Ein tolles Tool, welches wir im Anschluss für eines meiner aktuellen Projekte ausprobiert haben. Mehr dazu folgt in einem separaten Blog.

Train your brain

Nach der Mittagspause wartete ein Vortrag der unüblichen Sorte auf mich. Auf einer Techi-Konferenz erwartet man nicht unbedingt eine Präsentation zum Thema Achtsamkeit und emotionale Intelligenz. Obwohl dieses Thema gerade in unserem Beruf von hoher Relevanz ist. Wer nicht auf sein inneres Gleichgewicht achtet, hat ein viel höheres Risiko, früher „auszubrennen“ und ist auf Dauer gesehen weniger produktiv. Um dieses Gleichgewicht (wieder) herzustellen, helfen nachgewiesenermaßen Achtsamkeitsübungen. In den USA ist aktuell ein neuer Hype um Mindfulness (= Achtsamkeit) zu bemerken, zu welchem auch das Coaching-Programm und das zugehörige Buch „Search Inside Yourself“ [2] von Chade-Meng Tan, dem ehemaligen Chief Happiness Officer von Google, beigetragen haben.

Doch was bedeuten Achtsamkeit und emotionale Intelligenz überhaupt? Achtsamkeit bedeutet, seine volle Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment zu fokussieren. Dabei müssen die Gefühle, Gedanken und Vorgänge um einen herum objektiv, also ohne positive oder negative Bewertung betrachtet werden. Mit Emotionaler Intelligenz (EI) wird die Fähigkeit beschrieben, seine eigenen und die Gefühle anderer (richtig) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen.

Markus Wittwer stellte uns in seinem Vortrag die Vorteile eines achtsamen Geists und die Relevanz der emotionalen Intelligenz im Berufsleben vor und nahm uns mit einer Atemübung auf eine kurze Entspannungsreise mit. Wer mehr zu diesem Coaching-Programm erfahren will, sollte sich das Video von Chade-Meng Tan bei „Talks at Google“ auf YouTube ansehen [3].

Die drei weiteren Vorträge des Tages – „Agil wachsen“ von Judith Andresen, „Agile-Coach zu werden ist nicht schwer“ von Gerrit Beine und „Ich gestalte mein Unternehmen mit“ von Konstantin Diener – habe ich mit meinen Erfahrungen aus dem Projektalltag zusammengefasst und werde im Teil 2 des Blogs darüber berichten.

Links:

  1. http://jgiven.org
  2. http://www.amazon.de/Search-Inside-Yourself-andere-Gl%C3%BCcks-Coaching/dp/3442341175
  3. https://www.youtube.com/watch?v=r8fcqrNO7so