Die 10 wichtigsten IT-Trends 2021 (Teil 1)

Deutschland wird im internationalen Vergleich nicht als führende Tech-Nation in der Digitalisierung wahrgenommen, es fehlt auch an “Big Playern”; das verwundert viele andere Nationen.” Dies ist eines der Ergebnisse einer Befragung der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dabei steht es um die Pläne der deutschen Industrie gar nicht schlecht: laut Bitkom haben heute mehr als 70% der Unternehmen bereits eine Digitalstrategie. Aber bei der Umsetzung und Praxis klemmt es: Mehr als die Hälfte kommt nicht gut voran.

Welche Themen überhaupt 2021 auf der Agenda stehen und welche Herausforderungen sich dahinter verbergen, lesen Sie im folgenden Trend-Artikel.

Nummer 1: KI-gestützte Automation

Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren galt schon immer als wesentlicher Motor für Effizienz, Produktivität, neue Geschäftsfelder und innovative Produkte.

Für die zunehmende Individualisierung und Komplexität von Entscheidungen reichen jedoch die klassischen Data Warehouse-Ansätze und generischen Prozesse nicht mehr. Zunehmend müssen unstrukturierte und unerwartete Daten in die Automation einbezogen werden, bspw. aus Sensorik, spontanem Verhalten, dialogorientierten Verläufen, Bildanalyse, usw.

KI-gestützte Automation ist wichtig, um auch komplexe Prozesse abbilden und flexibilisieren zu können, und in der KI steckt auch der Wettbewerbsvorteil der Zukunft.

Nummer 2: Cloud-Native

Einst virtuelle Datenbank, heute leistungsfähige Applikationsinfrastruktur: Cloud-Computing ersetzt immer mehr herkömmliche Anwendungen und integriert zugleich zahlreiche Services in einer zentralen und doch skalierbaren Plattform.

Die Cloud-Native-Anwendungsentwicklung stellt sicher, dass Anwendungen für die Cloud-Architektur agil konzipiert und effizient entwickelt werden. Die Cloud-Native-Anwendungen nutzen die von der Cloud bereitgestellten Services konsequent und basieren auf Microservices sowie einer entsprechenden Orchestrierung. Auch Monitoring und Sicherheit verändern sich fundamental.

Die Anforderungen an die Unternehmen und Teams im Zuge dieser Umstellung sind groß; es fehlt häufig an IT-Know-how, Kapazität, Strategien und Umsetzungserfahrung.

Nummer 3: Arbeitsplatz der Zukunft

Vor der Corona-Krise lag der Anteil von Erwerbstätigen, die zumindest manchmal von zu Hause arbeiten, d.h. mindestens einmal pro Monat, bei 11,8%. Schon im April 2020 gaben rund 35% der befragten Erwerbstätigen an, vollständig oder teilweise im Homeoffice zu arbeiten. Tendenz steigend.

2021 wird weiter im Zeichen des Gesundheitsschutzes, der Digitalisierung und der virtuellen Zusammenarbeit stehen. Es ist zwar davon auszugehen, dass nach der Krise die physische Präsenz der Mitarbeiter*innen in den Unternehmen wieder steigen wird, auf das alte Niveau wird sie aber nicht zurückkehren. Das betrifft Millionen von Arbeitsplätzen in Europa.

Unternehmen werden deshalb 2021 verstärkt auf virtuelle, crossfunktionale und überregionale Teams setzen. Das beinhaltet zunehmend auch rechtliche Aspekte mit Blick auf Arbeitsausstattung, Zeiten und Orte, Ausbildung, Sicherheit, Fürsorge und vieles mehr.

Remote-Arbeitsplätze müssen also nicht nur technisch einwandfrei und leistungsfähig sein, sondern sie müssen auch systematisch und kulturell integriert werden. Die Umstellung wird in vielen großen Unternehmen von Expert*innen begleitet.

Nummer 4: Produkte statt Projekte

Projekte sind eine gängige und beliebte Art der Planung, Organisation und Finanzierung in der Softwareentwicklung. Ziel definieren, Umfang beschreiben, Aufwand schätzen, Meilensteine setzen, Ressourcen zuweisen. In Projekten denken heißt, in Projektabschlüssen zu denken.

Produkte sind in diesem Zusammenhang vor allem eine andere Arbeitsweise und Denke.

Ein Team im Produktmodus arbeitet iterativ und agil; zwar mit Strategie und Zielen, aber ohne Lastenheft. Eines der wichtigsten Elemente bei der Produktentwicklung ist Feedback und Monitoring. Der Fokus liegt auf der schrittweisen Verbesserung des Produktes und basiert vor allem auf dem Feedback der Anwender*innen, welches maßgeblich über den weiteren Verlauf der Produktentwicklung entscheidet.

So sind auch die Teamzusammensetzung und Finanzierung aufgestellt: Nicht langfristig und starr, sondern in kurzen Intervallen und dynamisch.

Die Roadmap wird so lange Schritt für Schritt weiterentwickelt und umgesetzt, wie sie geschäftliche Relevanz hat und noch Mehrwert schafft.

Last but not least werden Produkte von DevSecOps-Teams entwickelt, verantwortet und auch betrieben.

Vorteile der Produktphilosophie sind höhere Qualität und Nutzen in der Anwendung, verkürzte Bereitstellungszeiten, höhere Iterationsdichte, engagiertere Teams und gewöhnlich auch deutlich geringere Kosten.

Nummer 5: Smarte Ökosysteme

Anwendungen, Daten und Schnittstellen wachsen zusammen: Es ist das Jahrzehnt der Plattformen und Ökosysteme.

Basis dafür sind Cloudsysteme, dynamische und Modulare Plattformen sowie intelligente Algorithmen. Sie verknüpfen die vernetzten Objekte, managen Applikationen, verarbeiten Daten, liefern Reporting und enthalten Advanced-Analytics-Funktionalitäten, die maschinelles Lernen und smarte Automation ermöglichen. Standardisierte und ergonomische Oberflächen und Zugänge ermöglichen Anwender*innen auf die Services der Plattform zuzugreifen. Sicherheit, Datenschutz und Compliance werden über Applikationsgrenzen hinweg optimiert; und vieles mehr.

Digitale Plattformen und Ökosysteme bieten eine Standardisierungsebene für heterogen gewachsene Organisationen und erlauben Unternehmen, weitere Systeme zu vernetzen, zu erweitern oder zu skalieren, ohne dadurch mehr Komplexität zu schaffen.

Entscheidend ist jedoch die Architektur: Das grundsätzliche Fundament der Plattformen und Ökosysteme muss gut, modern und robust sein, um die Anwendungen tragen zu können. Diese Aufgabe übernehmen häufig Dienstleister, die Erfahrung mit vielen Systemen haben und daher Best-Practices und Learnings umsetzen können.

Autor: Bernd Günter, Head of Sales