Meine ersten Erfahrungen mit Scrum nach der Zertifizierung als Certified Scrum Master

Julia Moritz, Consultant bei it-economics

Julia Moritz, Consultant bei it-economics

Als Digital Native haben mich neue Technologien schon immer interessiert. Nach meinem internationalen, praxisorientieren Masterstudium mit einem Projekt im Bereich Digitalisierung wusste ich, dass ich mich weiter mit digitalen Trends, Technologien und Projektmanagement beschäftigen möchte. Heute arbeite ich seit über 5 Monaten als Consultant bei der IT-Beratung it-economics. Gerne möchte ich über meine ersten Erfahrungen mit Scrum nach der Zertifizierung berichten.

Nach einer anschaulichen und lehrreichen Schulung, die von it-economics zur Vorbereitung auf die Scrum Master Zertifizierung angeboten wurde, bot sich mir rasch die Chance das Erlernte in der Praxis zu erproben. Ich durfte eine erfahrene Kollegin, die als Scrum Master für zwei Development Teams arbeitet, für zwei Monate beim Kunden unterstützen. So konnte ich das Scrum Framework in der Praxis erleben.

Was ist Scrum?

Scrum ist ein Framework, das zum Management der Arbeit von komplexen Projekten verwendet wird. Es stammt ursprünglich aus der Softwareentwicklung und wird heutzutage in vielen Bereichen angewendet.

Das Scrum Team

Ein Scrum Team besteht aus dem Product Owner, dem Development Team und dem Scrum Master, die alle gleichwertige Teammitglieder sind. Der Product Owner stellt die fachlichen Anforderungen währenddessen der Scrum Master für die Implementierung und Einhaltung des Scrum Frameworks sorgt. Das Development Team übernimmt die Entwicklungsarbeit für das Produktinkrement - ein lieferfähiges Ergebnis, das am Ende eines jeden Sprints vorliegen soll.

Ein Scrum Team ist interdisziplinär zusammengesetzt und selbstorganisierend. Das bedeutet, das Team entscheidet selbst, wie und wann sie ihre Arbeit bestmöglich erledigen. Diese Lehrbuchaussage hat mich in der Schulung skeptisch gemacht. Gibt denn wirklich niemand die Aufgaben vor und funktioniert das denn überhaupt? Ja, es funktioniert und das sogar sehr gut! Nach einigen Tagen habe ich schnell erkannt, welche Vorteile das selbstorganisierte Arbeiten mit sich bringt: eine viel höhere Flexibilität, Kreativität, Produktivität und Engagement jedes Teammitglieds.

Meine it-economics Kollegin hat mir in dieser Zeit viel beigebracht. Mit ihr konnte ich diskutieren, welche Lehrbuchinhalte umgesetzt werden und welche bei korrekter Umsetzung im vorliegenden Kontext des Kunden eher unpraktisch wären. Ein wichtiger Punkt, den ich hierbei erkannt habe, ist: Jedes Team ist anders und in jedem Team wird das Framework je nach Komplexität, Team und Organisation angepasst und variabel umgesetzt. Als Assistenz des Scrum Masters konnte ich Scrum Events vorbereiten, an diesen Terminen teilnehmen und Einblicke in zwei verschiedene Teams und die Umsetzung des Scrum Frameworks gewinnen und vergleichen.

Zu den Scrum Events zählen:

  • Das Sprint Planning

  • Die Daily Scrums

  • Das Sprint Review

  • Die Retrospektive

  • Die Refinements

Diese Events stellen eine effiziente Umsetzung des Sprints sicher.

Sprint Planning: Im Sprint Planning wird die Arbeit für den nächsten Sprint gemeinsam vom gesamten Scrum Team geplant. Für einen zweiwöchigen Sprint sollten hierfür maximal 4 Stunden angesetzt werden. Genauso habe ich es auch in der Praxis erlebt. Hier wird ein Sprint-Ziel festgelegt und geplant, welche Aufgaben im nächsten Sprint fertiggestellt werden können. Die Aufgaben werden aus dem Product Backlog gezogen, indem alle Stories, Epics und Tasks kontinuierlich gepflegt werden. Für den jeweiligen Sprint wird somit ein Sprint Backlog erstellt, in dem nur die Aufgaben enthalten sind, die in diesem Sprint erledigt werden sollen.

Daily Scrum: Das Daily Scrum findet jeden Morgen statt. Gemäß Lehrbuch wird der Fortschritt in Richtung des Sprint-Ziels überprüft. Doch was heißt das in der Praxis? In dem Projekt wurde im Daily Scrum diskutiert, welche Aufgaben am Vortag geschafft wurden, welche Aufgaben heute voraussichtlich erledigt werden und ob es Hindernisse gibt, die das Team davon abhalten, diese Aufgaben zu erledigen. Das Daily Scrum ist eine effiziente Methode, um in kürzester Zeit (15 Minuten) das gesamte Team über den aktuellen Stand zu informieren, sich austauschen zu können und Hindernisse zu identifizieren.  

Sprint Review: Am Ende des Sprints wird im Sprint Review das Produktinkrement gemeinsam mit den Stakeholdern überprüft. Ich konnte an verschiedenen Sprint Reviews teilnehmen und meiner Kollegin über die Schulter schauen. Ein Scrum Master muss überaus anpassungsfähig und flexibel sein. Auf Wunsch der Stakeholder wurde das gesamte Konzept des Sprint Reviews überarbeitet und interaktiver, informativer und visuell ansprechender gestaltet. Die Wünsche verschiedener Stakeholder zu erfüllen, das Scrum Framework einzuhalten sowie das Team optimal miteinzubeziehen ist ein Balanceakt. Hier ist viel Erfahrung notwendig, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Retrospektive: Während der Retrospektive überprüft das Scrum Team, wie die Zusammenarbeit verlaufen ist, warum Ergebnisse übertroffen oder nicht erreicht wurden und welche Maßnahmen umgesetzt werden, um den nächsten Sprint zu optimieren. Das Vorbereiten der Retrospektive hat mir von allen Scrum Events am meisten Spaß gemacht. Hier können Kreativität, Empathie, Psychologie sowie Methodik vereint werden. Der Scrum Master sorgt dafür, dass die Retrospektive produktiv und konstruktiv ist und in einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre über den vergangenen Sprint gesprochen werden kann. Je nach Team kann hier auf abstraktere Aufgaben zurückgegriffen werden, durch die die Teamarbeit, der Verlauf des vergangenen Sprints sowie Verbesserungsmöglichkeiten analysiert werden können. Andere Teams bevorzugen sehr sachliche Retrospektiven, in denen meist über die konkreten Stories gesprochen wird anstatt über Prozesse, die Zusammenarbeit im Team und Tools zur Umsetzung der Aufgaben. Die notwendigen Softskills des Scrum Masters bleiben gleich: Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Menschenkenntnis und Empathie.

Refinements: In den Refinements werden Stories hinzugefügt oder ‚verfeinert‘. Das bedeutet, die Stories werden solange angepasst, ergänzt oder diskutiert, bis jedes Teammitglied diese verstanden hat und keine Fragen mehr offen sind.

Fazit

Insgesamt hat mir die Schulung und Zertifizierung zum Scrum Master durch it-economics sehr geholfen, das Framework zu verstehen. Der anschließende Einsatz in der Praxis hat mich viel gelehrt und geholfen, das Konzept zu verinnerlichen. Zudem habe ich erkannt, warum eine Abweichung vom Lehrbuch zu besseren Ergebnissen führen kann als das Festhalten an einer Methodik.

Die Schulung kann übrigens auch jederzeit von Externen gebucht werden. Wenn ihr euch für Scrum interessiert, sei es für die Zertifizierung oder aus reinem Interesse, schaut euch gerne um unter www.it-economics.de/trainings