Spice-up your Daily - 3 Rezepte für erfolgreiche Daily Scrums, die jeder Scrum Master kennen sollte

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Und wieder ist es soweit, Dein Development Team steht wie jeden Tag am gewohnten Ort zusammen beim Daily Scrum. Routiniert wird die 15-Minuten Timebox eingehalten, jeder beantwortet der Reihe nach die drei Fragen. Im Anschluss werden in Kleingruppen noch ein paar Dinge geklärt, dann verschwinden alle wieder hinter ihren Rechnern. Wie cool! Du bist stolz darauf, denn Du hast lange mit dem Team daran gearbeitet, das zu erreichen. Aber dann hörst du auch diese nagende Stimme im Kopf: „Das soll jetzt das Optimum sein, wie man diese 15 gemeinsamen Minuten nutzen kann?“

Die gute Nachricht: Nein, da ist noch viel mehr drin. Großartige Teams beantworten in ihren Dailys nicht einfach die Drei Fragen. Niemand kann Dir abnehmen, den idealen Weg für Dein Team selbst zu finden. Aber als guter Scrum Master solltest du ein paar Alternativen in der Tasche haben. Vielleicht geben Dir meine Erfahrungen mit dem Daily Scrum ein paar hilfreiche Anregungen, was Du mit Deinem Team probieren und dann vielleicht in dein Repertoire aufnehmen kannst.

Zum Einstieg möchte ich gerne einige vielleicht weniger bekannte Dinge rekapitulieren, die der Scrum Guide zum Daily Scrum sagt:

  • Das Daily Scrum ist ein internes Meeting vom Development Team für das Development Team (DT).
  • Das DT legt die Struktur eigenverantwortlich fest. Dabei fokussiert es auf den Fortschritt in Richtung Sprintziel.
  • Das DT (und nicht der ScrumMaster!) ist verantwortlich für die Durchführung.
  • Manche Teams nutzen Fragen im Daily Scrum. Die drei folgenden Fragen sind ein Beispiel für dieses fragenorientierte Format (und nicht mehr):
  1. Was habe ich gestern getan, das dem DT hilft, das Sprintziel zu erreichen?
  2. Was tue ich heute, um dem DT zu helfen, das Sprintziel zu erreichen?
  3. Sehe ich Hindernisse, die mich oder das DT davon abhalten, das Sprintziel zu erreichen?

Und beim fragenorientierten Format setzt auch meine erste Empfehlung an.

Vorschlag 1: Different Questions - Different Answers

Wie ihr seht, sind die drei Fragen nur Beispiele. Es lohnt sich, mit der Formulierung der Fragen zu experimentieren. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, stärker auf „Erledigen“ zu fokussieren statt auf „tun“, also etwa: „Was habe ich gestern erledigt, dass uns dem Sprintziel näher bringt?“.

Einige Teams finden es sehr hilfreich, zusätzliche Fragen zu beantworten, also z.B. „Was habe ich gestern gelernt, das auch für andere im Team wichtig ist?“ Die Antwort könnte etwa sein: „Ich habe gestern endlich rausgefunden, wie wir die Version x.y der Foo-Bibliothek integriert bekommen. Details gibt’s gleich im Anschluss für die, die’s interessiert“ - dabei hängt das Team-Mitglied ein entsprechendes Post-It „foo x.y“ an den Daily Scrum Parkplatz. Mein Tipp: Nicht mehr als 5 Fragen!

Und auch mit der Art zu antworten kann man experimentieren. Ein Team von mir, die intensiv mit Pair Programming gearbeitet haben, fand für sich folgende Regel: Wenn jemand an die Reihe kommt, aber alles Wichtige bereits von seinem Pairing Partner gesagt wurde, wiederholt er nichts, sondern sagt stattdessen einfach „Covered“. Ergebnis war ein Daily mit deutlich mehr Schwung und Dynamik.

Vorschlag 2: Walk the Wall

Die Frageform ist sehr hilfreich um jedem im Team eine Stimme zu geben und aktiv dazu aufzufordern, sich Gedanken über seinen Beitrag zu machen. Manchmal entsteht dabei der Effekt, dass sich viele Räder drehen, aber nichts fertig wird. Eine Variante des Daily Scrum, bei dem der Fokus auf das Ergebnis gelegt wird, kann hier hilfreich sein: Walk the Wall.

Das Development Team steht dabei vor der Wand (Wall) mit dem Taskboard. Dann geht man von oben nach unten über die Sprint Backlog Items, die noch nicht abgeschlossen sind. Die drei Fragen werden weiterhin beantwortet, aber aus Sicht des Items. Welche Arbeiten wurden daran gestern abgeschlossen bzw. sind aktuell in Gang? Wird das Item in diesem Sprint fertig? Wenn nicht, welche Hindernisse gibt es? Wer macht was, um das Item zu erledigen?

Manche Teams entwickeln bei dieser Struktur die Tendenz, sich nicht mehr untereinander abzustimmen, sondern an einen Leader zu berichten (z.B.  der Product Owner oder Scrum Master). Dem kann man entgegenwirken, in dem man den Moderator wechseln lässt. Ich hatte mal ein Team, dass je User Story einen „Storypaten“ festgelegt hat. Der hat dann die Moderation für dieses Item übernommen.

Vorschlag 3: Collaborative Daily Scrum

Bei diesem fortgeschrittenen Ansatz liegt der Fokus darauf, möglichst viele Sprint Backlog Items in enger Zusammenarbeit zu erledigen. Das Daily Scrum wird dabei zu einem Mini-Sprint Planning (immer noch mit dem Primärziel, das Sprintziel zu erreichen und dem Sekundärziel, die in das Sprint Backlog übernommenen Product Backlog Items zu erledigen). Der Sprint wird also jeden Tag ein Stück weit neu geplant.

Folgender Ablauf dient als Beispiel für die vielen Möglichkeiten, hier zusammenzuarbeiten:

Ähnlich wie bei „Walk the Wall“ geht das Team von oben nach unten durch die übernommenen und noch nicht abgeschlossenen Product Backlog Items. Nehmen wir an, das oberste Item ist noch nicht angefangen. Das Team bildet nun eine Gruppe, die sich um das Item kümmert. Dazu macht es sich schnell ein Bild, wie groß das Item ist, und wie viele Personen daran sinnvoll arbeiten sollten, damit es in wenigen Tagen (1-3) fertig wird. Manche Items sind klein und benötigen nur ein Pair, andere eine größere Untergruppe des Teams, die zuerst swarmen und dann in mehreren Paaren an einzelnen Tasks des Items arbeiten. Oft arbeiten Teams an nicht mehr als zwei oder drei Stories gleichzeitig. Sobald sich die Gruppen für die einzelnen Stories gebildet haben, organisieren diese parallel, wie sie das Item angehen.

An den folgenden Tagen geht das Team kurz über die Items in Arbeit. Team-Mitglieder, die ein Item fertig gestellt haben, bieten nun den anderen Gruppen zunächst Unterstützung bei deren Items an. Ist das nicht sinnvoll, fangen sie das nächste Item an. Wenn ihr diesen Ansatz für euer Team übernehmt, versucht nicht, dass perfekte Regel- oder Ablaufset festzulegen, sondern: Folgt lieber dem Motto „Lasst uns lernen, gut zusammenzuarbeiten.“ Daraus wird viel Gutes entstehen!

Das also sind drei Ansätze, die für mich sehr hilfreich waren. Sicher gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, das Daily Scrum gut zu strukturieren. Deshalb interessiert mich sehr, wie Eure Teams das Daily Scrum gestalten und was ihr empfehlen könnt. Ich würde mich freuen, von Euch zu hören!