App Builders Switzerland 2018

Anfang des Jahres hatte sich das Mobile Squad als Ziel gesetzt, gemeinsam in diesem Jahr zu einer Messe zu fahren. Schon jetzt können wir einen Haken dahinter setzen, denn wir waren zu Gast auf der eindrucksvollen App Builders Switzerland 2018. Das Glück wollte es, dass die Konferenz im sonnigen Lugano stattfindet, wo Alpenpanorama und italienisches Klima aufeinandertreffen.

Wir reihten uns in hunderte Entwickler ein, die an der mediterranen Architektur und dem einladenden Seeblick vorbei zum brutalistischen Palazzo di Congressi pilgerten. Mit gleich sieben Kollegen waren wir vor Ort vertreten, um uns über die neusten Trends in der iOS- und Android-Welt zu informieren und uns mit Gleichgesinnten vor Ort auszutauschen.

Zwischen Work-Life-Balance und besserem Code

Die Konferenz läutete von Philipp Shoemaker ein, der seine Erkenntnisse aus Jahren der Leitung des AppStore darstellte: Wie sich der Store mit der Zeit wandelte, wie erfinderisch Entwickler sind, um Apples Review auszutricksen, und wie wichtig es ist, einen offenen Dialog mit seinem Kunden einzugehen. Die folgende Q&A mit Beatrice Sigrist Charbonnier stellte direkt klar, dass sich die Vorträge auf der App Builders nicht nur mit Technologie, sondern auch mit der Menschlichkeit der Entwickler beschäftigen werden. Die Trainerin sprach offen vor hunderten Entwicklern über Burnout und Stress, ließ Papierbögen zur Selbstanalyse verteilen und antworte den anonymen Fragen des interessierten Publikums.

Viele Talks zeigten Lösungen für Schwierigkeiten der Mobile Architektur auf, an die aufgrund der Constraints der Frameworks, Responsivität und Asynchronität besondere Anforderungen herrschen. Neben neuen Konzepten wie MVVM oder VIPER mag MVC altbacken erscheinen, doch Dave DeLong zeigte auf, wie man durch intelligente Komposition kleinerer Views-Controller-Paare vermeidet, unwartbare Gottklassen für komplexe UIs zu schreiben. Nebenan sprach man über RxJava2, welches das Programmieren von asynchronem und nebenläufigem Code extrem vereinfacht, allerdings schwer zu testen ist. Sasa Sekulic präsentierte die Möglichkeiten der neusten Version, Scheduler und Observables für robuste Tests präzise zu steuern.

Andere Talks zeigten, wie einfach es ist, neue Technologien einzusetzen. Vor den Augen des Publikums verwandelte Elif Boncuk eine Standard-Android-App in eine Instant App, die sich nahtlos auf Websites für eine bessere mobile UX einsetzen lässt. Matthias Tretter erklärte, wie sich das Zusammenspiel einer alten Objective-C-Codebasis mit neueren Swift-Klassen durch wohldefinierte Interfaces verbessern lässt. 

Zwischen den Vorträgen gab es Zeit zum Austauschen mit anderen Entwicklern, unter anderem mit John Sundell, der am Abend seine Keynote halten würde. Bemerkenswert waren der Schweizer Käse und Parmesan, der zum Mittag aufgetischt wurde, aber für mehr Aufsehen sorgten die Schokoladenbrunnen, die mit Früchten zur Kaffeepause aufgestellt wurden.

Sharing is caring

Am Nachmittag schlug Graham Lee vor, OOP umzudenken und Objekte wie Zellen oder Micro-Services aufbauen, die über klar definierte Schnittstellen mittels Nachrichten kommunizieren. Sein Fazit: „If a monad is a burrito, an object is a jelly doughnut.” Vikram Kriplaney erzählte von den legalen Tücken der App-Entwicklung, als der Axel-Springer-Verlag seine GmbH für die Entwicklung eines AppBlockers für iOS verklagte. Zum Ende des ersten Tages bewies Pascal How die Macht von Extension Functions in Kotlin, und dass mit dieser Macht auch eine große Versuchung zum Missbrauch einhergeht.  

Den Abschluss des ersten Tags bildete John Sundell mit seiner Keynote Sharing. Seine wichtigste Botschaft; das Teilen von Erfahrungen ist nicht nur für die Experten und Profis gedacht.

Erkenntnisse über Blogs, Open Source oder sogar Podcasts zu teilen biete nicht nur Vorteile für andere, die darauf aufbauen können, sondern ist die beste Möglichkeit, das eigene Wissen zu erweitern und sich damit, offen sichtbar, auszuzeichnen.

Es gab also genug Gesprächsstoff, um den Abend bei der Konferenzparty direkt am Ufer des Luganer Sees mit vielen interessanten Unterhaltungen mit anderen Konferenzteilnehmern und Cocktails ausklingen zu lassen. Ein gelungener erster Tag.

Blick in die Zukunft

Der zweite Tag startete wieder mit einer Keynote und einer Q&A. Dieses Mal stellte Sebastian Schmidt vom Firebase Team die neusten Features des Dienstes vor, unter anderem eine Verbesserung der Realtime Database, nun genannt Firestore. Peter Steinberger, der Gründer von PSPDFKit, berichtete über die Erfahrungen seiner Firmengründung, und wie aus einer einfachen, ausgelagerten Komponente zum Anzeigen von PDFs mit der Zeit ein Produkt wurde, das heutzutage in vielen Anwendungen, wie zum Beispiel Dropbox, für uns unsichtbar eingesetzt wird.

Der Fokus des zweiten Tages liegt auf der Zukunft, die vielleicht schon näher ist, als man denkt. Mit ARCore wurde der Augmented Reality Kit von Google vorgestellt, der 3D Objekte mithilfe der Handykamera scheinbar in die reale Welt hineinsetzt. Als Frameworks zur plattformübergreifenden Programmierungen wurde neben React Native auch die Flutter Beta-Version präsentiert. React Native baut dabei auf Facebooks React-Framework auf, während Flutter eine Neuentwicklung von Google ist. Der große Themenblock des Nachmittags lag auf Machine Learning und Spracherkennung. Unter anderem wurde demonstriert, wie einfach mit Dialogflow ein einfacher Chatbot erstellt werden kann.

Auch am zweiten Tag wird über den Entwickler an sich gesprochen. Wie man am meisten lernt, indem man selbst beginnt, eine App zu schreiben, und sich durch Selbststudium weiterentwickelt. Wie Diversität und das Teilen von Kenntnissen das beste Rezept für eine großartige App sind. Und wie Software die Welt beeinflusst. Einen besonderen Eindruck hinterließ hier der Vortrag von Jonothan Rothwell, der belegte, wie Fahrlässigkeit oder Überschwänglichkeit von Software-Entwicklern Leben gefährden kann. Er gemahnte im Vortrag, über die Folgen der geschriebenen Codezeilen nachzudenken und schwierigen Diskussionen nicht aus dem Weg zu gehen. In Zeiten, in denen immer mehr Datenmissbrauch ans Licht kommt, ein wichtiger Ratschlag.

In ein ähnliches Horn stößt Adrian Kosmaczewski in seiner Abschluss-Keynote A Quest for a Better World, die zu Nachdenklichkeit im Saal führte. Ein würdiger Abschluss für eine rundum gelungene Konferenz, von der wir uns nur ungern verabschiedeten.