Was ist eigentlich der Scrum Guide?

 The Scrum Guide by Ken Schwaber and Jeff Sutherland

The Scrum Guide by Ken Schwaber and Jeff Sutherland

Im November 2017, gerade rechtzeitig zum Scrum Gathering in Dublin, erschien eine neue Version des „Scrum Guide“ – Grund genug, mal der Frage auf den Grund zu gehen, was es mit diesem Scrum Guide auf sich hat, wer ihn eigentlich schreibt und warum er sich nun geändert hat.

Die Anfänge

Um den Scrum Guide zu verstehen, muss man ein paar Jahre zurückgehen. In 2008 war ziemlich unklar, was „Scrum“ eigentlich war. Trainer konnten nach ihrer Zertifizierung vermitteln, was immer sie wollten, und so entstanden immer weiter von der Originalidee divergierende Interpretationen von Scrum. Manche Leute bezeichneten jedes grob inkrementelle Vorgehen als „Scrum“, andere benutzten weiterhin einen Wasserfall-Ansatz ergänzt um ein morgendliches 15-Minuten Meeting und nannten das „Scrum“, wieder andere machten Entwicklungs-„Sprints“ gefolgt von Test-„Sprints“ – und nannten das ebenso Scrum. Wer sich auskannte, rief „Oh nein, das ist doch nicht Scrum!“, aber es gab keine klare Referenz.

In dieser Situation setzten sich die beiden Urheber von Scrum, Ken Schwaber und Jeff Sutherland, zusammen und legten im Laufe des Jahres 2009 im sogenannten „Scrum Guide“ fest, was mit Scrum gemeint ist. Auch wenn sie inzwischen unterschiedliche Wege gegangen sind – Jeff Sutherland ist weiterhin Certified Scrum Trainer in der Scrum Alliance, während Ken Schwaber mit scrum.org eine weitere Organisation zur Verbreitung von Scrum gegründet hat – der Scrum Guide ist weiterhin für beide Organisationen die definitive, offizielle Quelle für das, was mit Scrum gemeint ist.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Neuauflagen des Scrum Guides, die neue Erkenntnisse, Verbesserungen und Anpassungen an Marktbedürfnisse enthielten – und die in echter Scrum-Manier jedes Mal etwas leichtgewichtiger wurden. So entfiel z.B. 2011 die Notwendigkeit, ein Sprint-Burndown zu führen. Stattdessen wurde gefordert, dass das Development Team seinen Fortschritt täglich transparent machen soll.

Aktuelle Änderungen im Scrum Guide

Nach der Neuauflage im Juli 2016 erschien nun etwas überraschend nach nicht einmal 1½ Jahren wiederum eine neue Version. Was hat sich geändert? Die gute Nachricht: nichts Grundlegendes! Aber dennoch genug, um die Änderungen etwas genauer anzuschauen:

  • Inhalt und Teilnehmer des Daily Scrums wurden verändert. Die Details findet Ihr (demnächst) in einem extra Post.
  • Und außerdem wurde...
    • ein Abschnitt über die Einsatzgebiete von Scrum ergänzt,
    • die Rolle des Scrum Masters geschärft. Er soll nun Scrum „wie im Scrum Guide beschrieben“ unterstützen und verbreiten.  Und er sorgt dafür, dass jeder im Scrum Team Ziele, Umfang und Produktdomäne so gut wie möglich versteht.
    • erwähnt, dass Product Backlog Items typischerweise Testbeschreibungen enthalten, die zeigen, dass das PBI fertig ist
    • eine Erläuterung des „Sprint Increment“ ergänzt, die Hilfe z.B. beim Einsatz von Scrum bei der Hardware-Entwicklung gibt,
    • die Anforderung ergänzt, dass das Sprint Backlog in jedem Sprint mindestens ein wichtiges „process improvement“ enthält, mit dem das Scrum Team seine Arbeit verbessert.
    • die Anforderung entfernt, dass das Scrum Team das Sprint Goal NACH der Auswahl der Product Backlog Items festlegt. Es reicht, wenn es während des Sprint Planing Events festgelegt wird.

Auch wenn die Änderungen in der 2017er Version im Wesentlichen – mit Ausnahme der Änderung des Daily Scrum – eher Fine-Tuning sind, lohnt es sich doch, auch diese Version nochmal aufmerksam durchzulesen, insbesondere, wenn der eigene Scrum Master Kurs schon einige Zeit zurück liegt oder man Scrum bisher in einer „an die lokalen Gegebenheiten angepassten Version“ kennengelernt hat.

Die aktuelle Version des Scrum Guides kann auf folgender Webseite heruntergeladen werden: http://www.scrumguides.org/

Unser Scrum Trainingsangebot finden Sie hier: https://www.it-economics.de/trainings