DIA: Wie etablierte Versicherungen und Insurtech-Startups zueinander finden

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Der Megatrend Digitalisierung macht selbstverständlich auch vor der Versicherungsbranche keinen Halt. Ganz im Gegenteil: Versicherungen gelten als abstraktes, nicht-physisches Gut und sind digitalisierungs-affin. Dies gilt sowohl für neue, günstigere Wege im Vertrieb, als auch für die laufende Gestaltung der Kundenbeziehung. Aber auch im eigentlichen Kern des Versicherungsgeschäft (Erfassung, Prognose, Risikoübernahme etc.) bieten Innovationen zum Teil ganz neue Geschäftsfelder. In einer Welt der allumfassenden Vernetzung lassen sich vollkommen neue Potenziale erkennen.

An dieser Stelle spielen junge, innovative Start-ups eine Rolle. Diese InsurTechs haben die Potenziale der Versicherungsbranche im Rahmen der Digitalisierung frühzeitig erkannt und versuchen nun, das Versicherungsgeschäft in jeglicher Hinsicht zu vereinfachen. Sei es durch eine vollautomatisierte Antragserstellung einer Versicherung, oder die Abwicklung eines Autounfalls per App, die neue Geschäftssparte ist riesig. Die DIA (Digital Insurance Agenda) in München gilt als das Must-See-Event im deutsch-sprachigen Raum für InsurTechs und Innovation in der Versicherungsbranche, auf dem sich Startups und etablierte Versicherungen treffen. Auf der diesjährigen DIA am 17.-18. Oktober stellten sich gleich ca. 50 verschiedene InsurTechs mit ihrer Geschäftsidee vor.

Die aus meinser Sicht spannendsten Insurtech Start-ups und ihre Produkte habe ich im Folgenden nach Bereichen zusammengestellt: 

Vetragsmanagement:

  •  socotra ermöglicht es, über eine Online-Plattform, diverse Versicherungsdokumente abzuspeichern und individuell zu konfigurieren (z.B. Policy Administration, Underwriting, Claims, Billing und Reporting)

Sales:

  • +Simple vereinfacht den Versicherungskauf. Dabei wird dem Kunden das Versicherungsangebot transparent dargestellt und er kann verschiedene Funktionen bzw. Leistungen einer Versicherung dazu- oder abwählen. Keine wirkliche Innovation, dennoch optisch ansprechend.

  • Über Medlanes kann man per Knopfdruck in einer App einen Arzt zu sich nach Hause bestellen. Man gibt quasi ein "Offer" raus und verschiedene Ärzte sehen dieses und können sich entscheiden, ob sie es übernehmen. "Ärtzliche Hausbesuche auf Knopfdruck - 24/7."

  • Anivo bietet die Möglichkeit für Banken, während eines Kundengesprächs, einen Versicherungsexperten per Videoübertragung einzubinden, um den Kunden optimal zu beraten. Das ganze kann fallabschließend bearbeitet werden, sodass der Bankberater sich nur auf Finanzprodukte beschränken kann und bei Versicherungsthemen einen Experten von Anivo einschalten kann.

  • Vigi fand ich persönlich sehr interessant. Sie bieten an, Versicherungen für z.B. ein Smartphone nur für eine bestimmte Zeit abzuschließen. Per Schieberegler innerhalb der Vigi App können Versicherungen aktiviert und deaktiviert werden. So ist es z.B. möglich sein iPhone 7 für für 0,17€ pro Tag zu versichern.

Assetmanagement:

  • Planswell ist nach meinen Eindrücken eine "digitalisierte Altersvorsorge". Planswell fragt den Kunden einige Fragen und ermittelt dann, wie viel er sparen muss, bzw. welche Versicherungen er abschließen sollte, um im Rentenalter den gleichen Lebensstil fortführen kann, den er jetzt hat. Meiner Meinung nach auch keine wirkliche Innovation.

Diagnostics:

  • HiNounou bietet Senioren und ihren Familien eine ganzheitliche Wellness-Lösung aus einer Hand. Dabei sind Angehörige in der Lage, auch aus weiter Ferne, den Gesundheitszustand ihrer Eltern/Großeltern oder sonstige Angehörige, zu ermitteln. Klingt erstmal toll, aber um den Gesundheitszustand zu ermitteln, muss derjenige ständig an irgendwelche Devices "angeschlossen" sein, die dann Gesundheitswerte übermitteln. M.M.n sehr umständlich. Dennoch habe ich gelesen, dass HiNounou ausgezeichnet wurde : "Furthermore, HiNounou was awarded the special DIA Award powered by Insurtech Hub Munich for insurtech with most transformative power".

  • Mit der Preventicus App soll es möglich sein, ein potenzielles Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt frühzeitig zu erkennen. Dazu legt man einfach seinen Finger auf die Kamera des Smartphones (Licht muss eingeschaltet sein) und anschließend erhält man eine Auswertung über seinen gesundheitlichen Zustand. So können z.B. Herzrhythmusstörungen oder andere Herzerkrankungen erkannt werden. Die Auswertungen können anschließend direkt zu einem Arzt gesendet werden, um die Diagnose zu erleichtern.

Schadensabwicklung:

  • Actineo beschäftigt sich mit der Digitalisierung und medizinischen Einschätzung von Personenschäden. Beispielsweise kann mit Actineo ein Personenschaden (z.B. Unfall mit Verletzung) in einer Timeline aufgezeigt werden, um so mehr Transparenz im Regulierungsprozess zu erschaffen.

Fazit

Die DIA war auch in diesem Jahr ein sehr interessantes und aufschlussreiches Event. Hier gibt es einen guten Überblick über verschiedene Innovationen und Geschäftsideen im InsurTech Bereich. Es wird spannend sein zu sehen, welche der vorstellten Sart-ups und Produkte wir in den kommenden Jahren wiedersehen werden und welche Ideen sich durchsetzen werden.