WWDC 2017 - Was Apple für Entwickler Neues zu bieten hatte

Vom 6.-9. Juni 2017 fand in diesem Jahr die alljährliche Entwickler-Konferenz von Apple statt. Viele wissen davon nichts oder sehen nur die im Anschluss auf vielen Tech-Seiten veröffentlichten Artikel zu den Themen, die von Tim Cook, Craig Federighi und Phil Schiller in der allerersten Keynote präsentiert werden. Nur die wenigsten wissen, dass die Konferenz von Montag bis Freitag dauert und noch viele Details und sogar völlig unerwähnte Themen erst in den kleineren Präsentationen ans Licht kommen.

In diesem Artikel möchte ich daher nur auf meine beiden absoluten Highlights der Hauptpräsentation eingehen und euch anschließend drei der weniger bekannten Höhepunkte präsentieren, die mich als iOS-Entwickler mindestens genauso vom Hocker reißen:

1 | iOS 11

Die neuen Betriebssysteme für alle Apple-Geräte sind jedes Jahr das Hauptthema der WWDC. Alle haben gemeinsam, dass sie versuchen, auf den jeweiligen Endgeräten in der neuesten Generation die aktuellste Hardware möglichst effizient zu nutzen. Die Erwartungen und Prognosen im Vorfeld zielen daher immer auf allgemeine Konzepte und grundsätzliche Neuerungen ab. So ein allgemeines Konzept ist mit iOS 11 die gemeinsame Nutzung von Ressourcen durch mehrere Apple-Geräte. Angefangen vom iCloud-Speicher innerhalb einer Familie, der nun einmal gekauft und anschließend von allen Mitgliedern genutzt werden kann, über den WLAN-Zugang auf einem iOS-Gerät, das man ohne direkte Weitergabe des Passworts auf ein anderes übertragen kann, bis hin zum Vereinfachten Setup-Prozess, der es ermöglicht, die Einstellungen eines iOS-Geräts auf ein neues bzw. zurückgesetztes Gerät mit nur einem Scan zu übertragen. Für Endnutzer außerdem sehr erfreulich dürfte das vollständig neue Control Center sein, das nun endlich (wenn auch nur in den unteren Zeilen) modifiziert werden kann, um die persönlich am meisten genutzten Features des Geräts im schnellen Zugriff zu haben.

2 | Das neue iPad Pro

Neben dem neuen iMac und der Alexa-Konkurrenz HomePod die wohl größte Hardware-Ankündigung war das neue iPad Pro. Das Gerät an sich glänzt mit einem größeren und brillianteren Display, das die 120Hz Bildwiederholrate so richtig glänzen lässt. Im Endeffekt wird das iPad jedoch erst durch das in Punkt 1 erwähnte iOS 11 zum Highlight: Die neue Multitasking-Features und die neue Files-App, die Apple in das Betriebssystem integriert hat, lassen das iPad immer mehr zu einem Notebook-Ersatz werden, gehen das Ziel aber im Gegensatz zum  Surface von Microsoft "mobile first" an. So lösen sie auf diesem Weg beispielsweise ein Problem, das iOS-Nutzer schon seit Jahren haben, nämlich die schnelle Neuordnung der Apps auf den Homescreens durch Multi Touch Drag & Drop sehr elegant und ohne das Gefühl zu geben, dass man an dieser Stelle nur ein Feature vom Mac-Desktop portiert hätte.

3 | Xcode 9

Die IDE von Apple hat in den letzten Jahren schon den einen oder anderen Entwickler zur Verzweiflung getrieben. Trotz vieler sicherlich nützlicher Features wurden Entwickler anderer Plattformen für Aktions-Möglichkeiten in ihrer Programmierumgebung beneidet. Umso erfreulicher ist die überraschende Ankündigung von Werkzeugen zum effizienten Code-Refactoring, die automatische Indizierung des gesamten Projekts beim Build-Vorgang und die neuen Versionsverwaltungs-Tools (inkl. vollständiger Integration mit Github). Ich persönlich freue mich wahnsinnig auf Xcode 9 im täglichen Einsatz.

4 | CoreML

Jährlich veröffentlicht Apple neue Frameworks für Entwickler und auch dieses Jahr gab es wieder einige, deren Auswirkung auf das Angebot im App Store interessant werden könnte. Vor allem die Öffnung des Streaming-Angebots Apple Music für Drittanbieter-Apps und die Bereitstellung von Augmented Reality Ressourcen, mit deren Hilfe das Bild der Smartphone-Kamera mit virtuellen Inhalten angereichert werden kann, scheinen vielversprechend. Mein Favorit ist allerdings CoreML, Apple's eigene API für Machine Learning, da ich schon seit Jahren an AI und in den letzten Monaten verstärkt mit Machine Learning in der Universität arbeite. Das Feld an sich wird sich in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch stark entwickeln und die Bereitstellung eines nativen Frameworks von Apple für die Developer Community ist ein großer Schritt.

5 | Swift 4

Der diesjährige Versionssprung ist bei weitem nicht so umfangreich, wie der im letzten Jahr und das ist auch gut so, denn die Änderungen damals waren enorm und haben den Entwicklern viel Arbeit bereitet. Selbst kleine Apps wie das it-e Memory (unser kleines internes Spiel zum einprägen der Namen aller Mitarbeiter) benötigten 1-2 Tage für die Umstellung. Dass die neuen Features aus der Entwickler Community selbst stammen seit Swift Open Source ist, merkt man auch, denn wohl jedem Entwickler fallen ohne nachzudenken mehrere Stellen in seinen Apps ein, an denen er sie einsetzten kann und möchte. Besonders erwähnenswert sind das neue Codable-Protokoll, mit dem JSON ohne weiteres Zutun in ein neues Objekt dekodiert und an anderer Stelle wieder enkodiert werden kann, und der Fakt, dass Strings wieder als Collections behandelt werden und somit viele Hilfs-Konvertierungen in Character-Arrays wegfallen.