Individuals und Interaction - Scrum Gathering Dublin

Statt Halloween war für mich dieses Jahr „Gather-ween“ angesagt. Von Montag bis Mittwoch, 30.10.-01.11., fand das diesjährige europäische Scrum Gathering der Scrum Alliance statt. Nach München 2016 war dieses Jahr Dublin dran. Das Konferenzmotto „Individuals and Interactions“ bildete den Rahmen für drei konzentrierte Tage mit einer Fülle von Angeboten von klassischen Sessions über „Clinics“ für Coaches und Trainer bis hin zu Experimenten wie dem Games Track oder Late Night Coaching Sessions. Von den ca. 650 Teilnehmern war die Hälfte zum ersten Mal da, so dass eine bunte Mischung aus Einsteigern, Fortgeschrittenen und Experten entstand.

Leadership und Werte im Vordergrund

Für mich war es das fünfte Gathering und das wohl intensivste. Das dominierende Thema aus meiner Sicht war „Agile Leadership“. Michael Sahota fragte in seiner Keynote in mehreren Live-Polls (!) die Zuhörer unter anderem, ob die Umsetzung von Agile in ihrem Kontext erheblich unter den Möglichkeiten bleibt („Ja“ für ca. 80%) und woran das liegt („Inkompatible Kultur“, „Management versteht Agile nicht“, …). Eine ganze Reihe von Sessions adressierte dann das Thema Agile für Manager aus unterschiedlichen Perspektiven: zentral waren oft scheinbar weiche Themen wie persönliches Wachstum, Werte (was ist mir wirklich wichtig?) und Absichten (Was tue ich heute, um diese Werte umzusetzen?). Auf die zugespitzte Frage, warum sich Agile immer religiöser anhöre, antwortete Michael aber entschieden: „This is no fluffy bunny stuff. This is about the core of how to be successful in business!“

CSP Zertifizierungen ab 2018 deutlich aufwändiger

Für viele Teilnehmer war auch das CSP Area interessant, wo die Scrum Alliance die Weiterentwicklung des Wegs zum Certified Scrum Professional vorstellte. Nach dem CSM oder CSPO macht man nun nach mindestens einem Jahr praktischer Erfahrung den Advanced Certifed ScrumMaster (A-CSM) bzw. den Advanced Scrum Product Owner (ACSPO). Nach einem weiteren Jahr ist dann die Zertifizierung zum Certified Scrum Professional ScrumMaster (CSP-SM) bzw. zum Certified Scrum Professional Product Owner (CSP-PO) möglich. So versucht die Scrum Alliance, die in der Praxis doch meist rollenorientierte Reise durch begleitende Kurse und Zertifikate besser zu strukturieren. Sie reagiert damit auch auf Kritik, dass ein 2-tägiger Kurs nur ein Anfang sein kann und einen nicht wirklich zu einem „Meister“ macht. Dieses neue Programm ist aufwändiger und anspruchsvoller als das bisherige CSP-Programm. Wer gerade schon dabei ist, seine CSP-Zertifizierung vorzubereiten, sollte sich deshalb beeilen und dies noch vor dem 31.12.2017 tun. Ab dann gilt das neue Programm.

Näheres dazu findet man unter: https://www.scrumalliance.org/certifications/certifications2017

Coaching Clinic und Trainers Clinic bieten praktische Hilfe

Neben der schon bewährten Coaching Clinic, auf der jeder seine aktuellen Herausforderungen mit erfahrenen Coaches besprechen konnte, gab es dieses Jahr zum ersten Mal den neuen Bereich „Trainers Clinic“. Hier konnte man Kontakte zum TAC, dem Trainer Approval Committee der Scrum Alliance, und zu anderen CSTs (Certified Scrum Trainer) knüpfen, sowohl zu altgedienten als auch zu vielen der 13 auf diesem Gathering neu zugelassenen Trainer - sehr spannend! So ließ sich schnell so manche praktische Frage zu Trainings-Methoden oder zum Trainer Approval-Prozess klären. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass die Scrum Alliance hier auch „einfache“ ScrumMaster besser unterstützt und das Thema nicht nur den CSTs überlässt.

Anregende Gespräche und intensiver Austausch sind unersetzlich

Am wertvollsten war für mich aber die Möglichkeit, ungezwungene Kontakte zu so vielen erfahrenen Vordenkern der agilen Szene zu knüpfen. So saß ich z.B. auf der Fahrt zum Monday Mingle, dem Abend-Event am Montag, neben einem Mike, der sich dann schnell als Mike Beedle entpuppte, einer der 17 Autoren des Agile Manifesto. Sehr spannend, was er so über dieses Wochenende erzählte! Im Guiness House, wo der Event stattfand, gesellte sich dann Jeff Patton zu uns, dessen Buch „User Story Mapping“ ich sehr schätze. Bei Irish Stew und Guinness wurde dann entspannt und humorvoll gefachsimpelt. Am nächsten Tag hatte ich Gelegenheit, mich am Rande eines LesSS mit LEGO-Workshops ausführlich mit Alexey Krivitsky zu unterhalten, dem Scrum Trainer, von dem die Idee stammt, Scrum mit Hilfe von LEGO zu vermitteln. Und auch zu vielen deutschen Scrum Trainern und Coaches konnte ich den Kontakt vertiefen - eine sehr freundliche und hilfsbereite Community!

Seid doch auch mal mit dabei!

Und so freue ich mich schon sehr auf die nächsten Global Scrum Gatherings, von denen es 2018 nur zwei geben wird. Nach Minneapolis am 16.-18. April 2018 findet das nächste Gathering in Europa am 8.-10. Oktober 2018 in London statt.

Und hier noch ein paar Eindrücke des Gatherings: