BPMCon 2017 – Zwei gelungene Septembertage in Berlin

Berlin im September ist definitiv eine Reise wert - erst recht, wenn man zusammen mit Kollegen die Chance erhält, am jährlichen Camunda Community Day sowie der BPMCon teilzunehmen.

Camunda Community Day – Austausch und gegenseitige Inspiration

Gut ausgeruht und gestärkt, aber auch gut vorbereitet kamen wir am Donnerstagmittag im Hof von Camunda an - eine kleine Menschentraube bildete sich schnell vor dem eindeutigen Engpass, dem Aufzug. Ich war gespannt, mich mit anderen Entwicklern auszutauschen, insbesondere aber auch einige Camunda-Entwickler kennenzulernen. Ich kannte viele Namen bisher nur aus der Community, aber ein direkter persönlicher Austausch ist natürlich viel besser. Seit unserem letzten Camunda-Besuch vor drei Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl deutlich vergrößert, auch im Gebäude wird jetzt selbstverständlich mehr Platz benötigt. Trotz der begrenzten Raumgröße (ein Bürogebäude ist schließlich keine Messehalle) hat es mich sehr gefreut, dass der Community-Day direkt vor Ort in den "heiligen Hallen" stattfand. Nach dem Empfang und ersten Gesprächen bei kulinarischen Kleinigkeiten startete auch schon das Vortragsprogramm. Besonders der unterhaltsame Vortrag von Niall Deehan blieb im Gedächtnis: External Tasks sind Superhelden und retten die Welt! Ein interessantes technisches Thema (ich hatte External Tasks bisher nur am Rande wahrgenommen) verknüpft mit Anspielungen auf beliebte Marvel-Superhelden - was will das Nerd-Herz mehr?

Case-Management mit CMMN

Da mir Case-Management derzeit sehr am Herzen liegt, nutzte ich die Gelegenheit, in der anschließenden Networking Pause mit dem Camunda-Entwickler Thorben, dem Opitz Consultant Halil und dem Camunda-Gründer Bernd Rücker über CMMN zu sprechen, konkret über meine Gedanken zur Migrierbarkeit von Case-Instanzen von einer Modellversion zur nächsten: Bisher wird die Instanz-Migration von keiner einzigen Engine unterstützt, sogar akademisch wurde dieses Thema meines Wissens nach noch gar nicht betrachtet, obwohl es für einen realen Einsatz von CMMN entscheidend ist – schließlich erwarten viele Anwender bei Anpassungen am CMMN-Modell auch bei bereits gestarteten Case-Instanzen das neue Verhalten. Das Feedback zu meinen Überlegungen (wann eine Migration leicht ist und in welchen Fällen es Probleme geben könnte) war sehr interessant, ich werde dieses Thema definitiv weiterverfolgen und hoffe, mit einem ersten technischen Durchstich bald die Tragfähigkeit meines Ansatzes überprüfen zu können.

Im folgenden zweiten Teil der Vorträge war die Feedback-Runde zur Verbesserung des Camunda Cockpits für alle Beteiligten sehr aufschlussreich: zum einen konnte Camunda neue Ideen und Anregungen erhalten (und damit vielleicht den Fokus auf Features legen, die Anwendern echten Mehrwert bieten), zum anderen konnte man einen Einblick bekommen, welchen Teilnehmern welches Thema aus welchen Gründen am Herzen liegt - das bot die perfekte Gelegenheit, direkt anschließend gezielt mit einzelnen Community-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen, in meinem Fall natürlich wieder CMMN.

Der letzte Teil des geplanten Programms bot ein echtes Highlight: Per Videokonferenz war NASA-Mitarbeiter Galen Hollins zugeschaltet und stellte vor, wie Camunda eingesetzt wird, um Bilder des Mars-Rovers parallel und in mehreren Schritten zu verarbeiten und aufzubereiten, um eine 3D-Landkarte des Mars zu erstellen. Sehr spannend!

Es gab also genug Gesprächsstoff, um den Abend dann gemeinschaftlich im Biergarten Brachvogel mit vielen interessanten Unterhaltung (z.B. mit Telekom-Mitarbeitern), gutem Essen und dem einen oder anderen Bier ausklingen zu lassen. Auch meine Kollegen hatten ihren Spaß beim Kennenlernen der Community, es wurde viel gelacht und gescherzt. Ein gelungener Abend.

Projekt Zeebe – und der angepasste Modeler von it-economics

Neben CMMN gibt es noch ein anderes Thema, das mich und meine Kollegen in letzter Zeit umtreibt: Camunda stellte vor einigen Wochen ihr neues Projekt Zeebe vor, das eine hoch-performante und hochverfügbare Orchestrierung von Microservices erlaubt, wobei die Prozesse mit einem BPMN-Subset modelliert werden. Warum erwähne ich das? Im Vorfeld der am nächsten Tag stattfindenden BPMCon entwickelte mein Kollege Dominik Horn einen webbasierten Zeebe-Modeler, um Prozessmodelle zur Ausführung mit Zeebe zu erstellen. Die Gespräche beim Community-Treffen (oder vielleicht sein ungewöhnliches Hotelzimmer) haben ihm anscheinend keine Ruhe gelassen, so dass er doch tatsächlich statt zu schlafen mitten in der Nacht noch eine Desktop-Version des Modelers programmiert hat. Respekt! Entsprechend erstaunt waren wir auch beim morgendlichen Frühstück, kurz bevor wir uns zur direkt nebenan gelegenen BPMCon aufgemacht haben.

Der Modeler ist auf Github unter folgendem Link zu finden: https://github.com/zeebe-io/zeebe-modeler

BPMCon 2017 – BPM in Zeiten der Digitalisierung

Die Konferenz-Location war schön gelegen, es waren natürlich wesentlich mehr Teilnehmer (insgesamt über 350) als noch am Vortrag beim Community-Treffen (135 Teilnehmer). Die it-economics GmbH war als Camunda-Partner mit einem kleinen Stand vertreten und durfte sich nach der Mittagspause auch auf der Bühne kurz vorstellen. Wie am Vortag wurde auch am Konferenztag der Zeitplan strikt eingehalten, den ersten Vortrag hielt Jakob Freund über BPM in Zeiten der Digitalisierung. Erinnerungen wurden wach, als Jakob an erste nicht ganz ernstgemeinte Digitalisierungsversuche der menschlichen Interaktion mit dem Programm "Eliza" aus den 60er Jahren erinnerte - ich hatte Eliza in den 80ern als Basic-Programm auf meinem C64 und war damals schon fasziniert, trotz der Einfachheit. Digitalisierung ist heutzutage aber viel mehr: Digitalisierung bedeutet meistens Automatisierung, Geschäftsprozesse sind die Algorithmen eines Unternehmens (Jakob Freund). Obwohl Camunda extra für Highperformance-Anwendungen das Projekt Zeebe entwickelt hat, war die von Jakob zitierte Zalando-Aussage sehr eindrucksvoll, dass die Camunda-Architektur und die Ausführung ihres Bestellprozesses das Wachstum von Zalando in den nächsten 13 Jahren abdecken kann.

Bernd Rücker ging anschließend stärker auf Architekturen ein und propagierte in seinem Vortrag "Neue Zeiten verlangen nach neuen Paradigmen" die Abkehr von reinen kleinteiligen Microservices hin zur Interaktion von einzelnen fachlichen Prozessen, die jeweils ihre eigene fachliche Domäne perfekt abbilden. Im Zusammenspiel müssen Themen wie Timeouts, Wiederholbarkeit, Entkopplung, Rollback und Versionierung betrachtet werden.

it-economics: Vom Camunda Partner zum Contributor

Die folgende Mittagspause nutzte mein Kollege Dominik, um seinen Zeebe-Modeler einigen Camunda-Entwicklern vorzustellen, die auch direkt Feuer und Flamme waren, ihn direkt in Github aufzunehmen. Der Camunda Entwickler-Chef Daniel Meyer war persönlich sehr angetan, dass dieses kleine Projekt Zeebe, in das soviel Erfahrung und Anstrengung geflossen ist, das aber trotzdem noch in den Kinderschuhen steckt, so schnell von Camunda-Externen aufgegriffen und durch den Modeler erweitert worden ist - Camunda selbst hatte den Modeler erst für Anfang 2018 angedacht. Tatsächlich wurde der Modeler dann auch in einem Vortrag am Nachmittag in einer Live-Demo direkt verwendet - ein schöner Moment, mit dem wir nicht gerechnet hätten.

Sehr unterhaltsam und eindrucksvoll war die Präsentation einiger Ergebnisse der jährlichen Camunda Hackdays - dazu verbringen Camunda-Mitarbeiter zwei Tage Offsite und können diese Zeit zur Umsetzung eigener kreativer Ideen nutzen. Ein Ergebnis dieser Hackdays war das Modeler-Plugin zur Token-Simulation, d.h. der Animation von Tokens durch das Prozessmodell. Dieses Plugin wurde von anderen Camunda-Mitarbeitern auf der Heimfahrt direkt aufgegriffen, das Token-Icon verändert, ein spezieller Prozess modelliert... und auf einmal laufen Kerzen ein Weihnachtsbaum-Modell entlang, inklusive Weihnachtsstern an der Spitze!

Die spannenden Vorträge, interessanten Kontakte und Unterhaltungen fanden anschließend ihren Ausklang bei einer Grillparty hinter dem Gebäude, direkt an der Spree. Sogar für Bootstouren auf der Spree war gesorgt, das Wetter spielte sehr gut mit! Insgesamt hervorragende Tage in Berlin, wir freuen uns aufs nächste Jahr :)