PMP/PMI für Projektleiter

 Fast jeder Projektleiter wurde in seinem Berufsleben des Öfteren befragt, über welche Fähigkeiten er verfügen muss, um seine Arbeit erfolgreich auszuführen. Neben sehr guten kommunikativen und menschlichen Fähigkeiten, den sog. Social Skills muss er über hervorragende Methodenkenntnisse des Projektmanagements verfügen. Diese hat er normalerweise über die praktische Ausübung seiner Tätigkeit erlernt und wendet sie alltäglich bewusst oder auch unbewusst erfolgreich an. Diese Methodik wird in der Regel durch die Unternehmen, in denen die Projekte durchgeführt werden vorgegeben. Eine übergreifende Projektmethodik, die internationale Anerkennung genießt, ist der PMI (Project Management Institute) Standard, der durch das PMP (Project Management Professional) zertifiziert wird. Die in dieser Zertifizierung abgefragte Projektmethodik beschreibt die Prozess- und Werkzeugkenntnisse eines Projektleiters, die zur erfolgreichen Ausübung der Projektmanagementtätigkeit notwendig sind. Hierbei beschränkt sich das PMP für PMI nicht nur auf die Softwareindustrie, sondern erfreut sich z. B. auch in den Bereichen der klassischen Ingenieurwissenschaften hoher Anerkennung. Dieser Blog enthält zum Thema PMP/PMI für Projektleiter folgende Inhalte:

  •     PMP Zertifizierung/ Prüfung nach PMI– Was ist das?
  •     Welche Zertifizierungsvoraussetzungen gibt es und wo melde ich mich an?
  •     Was muss ich wissen bzw. wie bereite ich mich vor?
  •     Was folgt nach der Zertifizierung?
  •     Fazit zur PMP Zertifizierung nach PMI

PMP Zertifizierung/ Prüfung nach PMI– Was ist das?

Das Project Management Institute (PMI) ist ein weltweit tätiger US-amerikanischer Projektmanagementverband. Das PMI bietet mehrere Zertifizierungen an. Hierbei ist das PMP das Bekannteste. Das PMP steht für Project Management Professional und bezeichnet die Prüfung bzw. Zertifizierung, die die Projektmanagementkenntnisse nach PMI-Standard überprüft. Es wird von fast allen Industrien anerkannt als Zertifizierung für Projektleiter. In den Vereinigten Staaten ist das PMP beispielsweise ein notwendiges Kriterium, um eine Funktion als Projektleiter im öffentlichen Bereich auszuüben. Im Januar 2011 gab es über 500.000 Project Management Professionals (PMPs) in über 185 Ländern.

PMP Zertifizierung/ Prüfung nach PMI– Was ist das?

  • Die Prüfung dauert 4 Stunden (inklusive optionaler Pausen).
  • Sie besteht aus 200 Multiple Choice Fragen. Jede Frage besteht aus 4 Auswahlmöglichkeiten, wobei nur jeweils eine davon richtig ist.
  • Von den 200 Fragen werden 175 für die finale Bewertung herangezogen (25 davon – die nicht gesondert gekennzeichnet sind – werden nichtfür die finale Bewertung herangezogen, sondern sind in der Regel potentielle zukünftige Fragen, die von PMI evaluiert werden)
  • Die Prüfung gilt als bestanden, sobald 61% der Fragen richtig beantwortet wurden (d.h. also mindestens 106 von 175)
  • Die Prüfung wird in autorisierten und video-überwachten Prometric Testcentern durchgeführt.
  • In die Prüfungszimmer dürfen weder Unterlagen noch Verpflegung mitgenommen werden.

Welche Zertifizierungsvoraussetzungen gibt es und wo melde ich mich an?

Die PMP Zertifizierung ist ausgerichtet auf berufstätige Projektleiter, die eine zusätzliche Qualifikation erhalten wollen, in dem sie ihre Methodenkenntnisse nach dem PMI Standard innerhalb der PMP Prüfung zertifizieren lassen. Die PMP Zertifizierung ist daher strengen Zugangsvoraussetzungen unterworfen:

  • Ein Bewerber mussüber eine spezifische Ausbildung verfügen (i. d. Regel – aber nicht ausschließlich - ist dies ein abgeschlossenes Studium)
  • Zudem muss der Bewerber - je nach Ausbildung – über einschlägige Erfahrungen über mindestens 3 Jahre/4500h bzw. 5 Jahre/7500h (innerhalb der letzten 8 Jahre) im Bereich Projektmanagement vorweisen. Aus eigener Erfahrung ist diese Zugangsvoraussetzung sehr sinnvoll, da eine Abbildung der in der Vergangenheit erworbenen Projektmanagementkenntnisse das Erlernen der PMI-Methodik stark vereinfacht.
  • Des Weiteren muss der Bewerber vorweisen, dass er Projektmanagement Schulungen in einem Umfang von 35 Stunden besucht hat

Die Anmeldung erfolgt über die offizielle PMI Website https://www.pmi.org/default.aspx. Dort ist ebenfalls der Anmeldeprozess detailliert beschrieben.

Was muss ich wissen bzw. wie bereite ich mich vor?

Die PMP Zertifizierung überprüft die Projektmanagementkenntnisse nach PMI-Standard. Um die Prüfung bestehen zu können, müssen diese Werkzeuge, Nomenklaturen und Vorgehensweisen verinnerlicht werden.  Die PMI-Standards sind detailliert beschrieben in „A GUIDE TO THE PROJECT MANAGEMENT BODY OF KNOWLEDGE (PMBOK® GUIDE)“ PMBOK.

Die Projektmanagementmethodik wird unterteilt in sog. „Prozessgruppen“ und „Knowledge Areas“ eines Projektablaufs.

1)  PMI unterscheidet hierbei in folgende „Prozessgruppen“ als Teilbereiche eines Projektes:

  •     Initiating
  •     Planning
  •     Executing
  •     Monitoring & Controlling
  •     Closing

2)    Des Weiteren unterscheidet PMI in folgende „Knowledge Areas“ eines Projektablaufs:

  •     Integration
  •     Scope
  •     Time
  •     Cost
  •     Quality
  •     Human Resource
  •     Communications
  •     Risk
  •     Procurment


Beide Bereiche kreieren in der PMI-Methodik eine Matrix, in der die unterschiedlichen Projektprozesse definiert sind, die innerhalb eines Projektablaufs (Initiating -> Closing) für die unterschiedlichen „Knowledge Areas“  (Integration -> Procurement) durchzuführen sind.

Folgende Abbildung beschreibt alle PMI Projekt Prozesse innerhalb einer „Prozessgruppen – Knowledge Area“ Matrix:

Abbildung 1 Projektmanagement Prozesse - Mapping der Prozessgruppen und Knowledge Areas (Quelle: PMBOK)

Abbildung 1 Projektmanagement Prozesse - Mapping der Prozessgruppen und Knowledge Areas (Quelle: PMBOK)

 

 Der Prozess „Develop Project Charter“ ist somit Teil der Prozessgruppe „Initiating“ und Teil des Knowledge Areas „Integration“ Die Bestandteile der so aufgebauten Matrix sind Prozesse, die im Laufe eines Projektes durchschritten werden. Jeder Prozess basiert hierbei auf Eingaben (Inputs), die Ergebnisse (Outputs) anderer Prozesse sein können. Des Weiteren benützt jeder Prozess Werkzeuge (die sog. Tools & Techniques), die ihn dabei unterstützen, die Ergebnisse zu erstellen.

Eine Anmeldung zur Prüfung ist dann sinnvoll,

  • wenn dem Prüfungsteilnehmer sowohl die Position des Prozesses innerhalb der „PMI-Matrix“ vertraut ist, als auch der eigentliche Inhalt bzw. die notwendigen Aktivitäten.
  • Zudem müssen die Inputs und Outputs bzw. auch die Tools & Techniques zu allen Prozessen bekannt sein.
  • Schließlich muss das Wissen durch zahlreiche Multiple Choice Tests gefestigt werden. Hierbei ist es vor allem wichtig, dass der Prüfungsteilnehmer mit den PMI Fragetechniken vertraut wird. Testfragen mit Beispieltests lassen sich im Internet finden.

Aus eigener Erfahrung empfehle ich, einen professionellen Vorbereitungskurs zu belegen. Dies hat vor allem den Vorteil, dass man sich Full-Time auf den Prüfungsstoff vorbereiten kann. Des Weiteren empfehle ich, nicht allzu viel Zeit zwischen Vorbereitungskurs und Prüfungstermin vergehen zu lassen. Idealerweise sollte ein Wochenende dazwischenliegen, die Dauer zwischen Ende des Vorbereitungskurses und Prüfungstermin sollte allerdings nicht länger als eine Woche betragen.

Was folgt nach der Zertifizierung?

Sobald die PMP Zertifizierung bestanden ist, darf man den Titel PMP nach PMI 3 Jahre lang führen. Darüber hinaus muss ein PMP ständigen Zertifizierungsanforderungen genügen, um seine Zertifizierung aufrechtzuerhalten. Diese Rezertifizierungen stehen alle drei Jahre an.
Um die Zertifizierung nach 3 Jahren erneuern zu lassen, benötigt man 60 Professional Development Units (sog. PDUs). Diese PDUs erhält man beispielsweise durch folgende Aktivitäten:

  •     Schulungen:

    a.    Teilnahme an Projektmanagement Schulungen, die durch PMI angeboten werden
    b.    Teilnahme an Projektmanagement Schulungen, die durch Universitäten bzw. Trainingsorganisationen angeboten werden
    c.    Selbstständige Weiterbildung

  •     Aktives Lehren/ Anweisen:

    d.    Durch Erstellung von Projekt Management Knowhow
    e.    Freiwillige (unentgeltliche) Erbringung von Projektmanagement Diensten
    f.    Arbeit als Projektleiter

Hierbei wird jeder Dauer einer Aktivität ein PDU Wert zugeschlüsselt. Hierbei gilt als Faustformel, dass ein PDU einer Arbeitsstunde/ Schulungsstunde/ Lehrstunde etc. entspricht (a) – e)). Für den Bereich f) erhält ein Projektleiter 5 PDUs, wenn er 12 Monate als Projektleiter tätig ist, sodass also max. 15 PDU für die Tätigkeit als Projektleiter innerhalb der 3 Jahre geltend gemacht werden dürfen.
Genauere Details zu den PDUs und dem Rezertifizierungsverfahren kann ebenfalls dem PMBOK entnommen werden.

Fazit zur PMP Zertifizierung nach PMI

Die Vorbereitung zur Prüfung stellt zwar einen sehr hohen Aufwand dar. Zudem dauert die Prüfung selbst mit 4 Stunden relativ lange. Trotzdem überwiegen meiner Meinung nach die positiven Aspekte und ich kann die PMP Zertifizierung nach PMI auf jeden Fall empfehlen.
Ich empfand es als sehr interessant, die Methoden und Prozesse des Projektmanagements im Rahmen des PMI Standards kennenzulernen und diese mit den Projektvorgehensweisen mit den mir bekannten Modellen bzw. Methoden zu vergleichen. Die PMI Projektmethodik gibt hier einen guten Überblick über das Projektmanagement und so manche Aufgabe, die man im Berufsleben eher unbewusst anwendet, findet hier sehr oft ein entsprechendes Mapping in einen der PMI Projekt Prozesse bzw. Aktivitäten. Zudem ist es von Vorteil mit einer Methodik vertraut zu sein, die nicht nur in der Softwareentwicklung anerkannt ist, sondern auch von anderen Disziplinen wie z.B. den klassischen Ingenieurwissenschaften geschätzt wird. Die Zertifizierung macht m. E. nur dann Sinn, wenn bereits mehrere Jahre Projektexpertise gesammelt wurden. Deshalb ist eine der Zugangsvoraussetzungen der Nachweis des Zeitraums der bereits als Projektleiter erbrachten Tätigkeiten. Der größte Vorteil der PMP Zertifizierung nach PMI ist jedoch die Steigerung des Marktwerts. Einerseits erhöht sich natürlich der Marktwert des Projektleiters, der über diese Zertifizierung verfügt. Andererseits verbessert sich ebenfalls der Marktwert der Beratungsfirma, indem das Unternehmen über zertifizierte Projektleiter verfügt, die auch aktiv von Kunden nachgefragt werden.