Von München nach Kalifornien: Alles rund um den Atlassian Summit 2016 in San José – Part 2

Während es im letzten Beitrag um den Partner Day ging, drehen sich der folgende und der noch ausstehende Beitrag um die Eindrücke und Neuigkeiten von den beiden eigentlichen Konferenztagen des Atlassian Summit 2016.

Das personalisierte „Atlassian Home“

Zu Beginn stach mir besonders die neue personalisierte Einstiegsseite Atlassian Home ins Auge, welche alle Atlassian-Produkte (wie auch Produkte von Drittherstellern) an zentraler Stelle verfügbar macht und relevante Informationen wie z.B. die zuletzt besuchten bzw. bearbeiteten JIRA-Tickets oder Confluence-Seiten, Hipchat-Räume, Projekte etc. direkt mit einem Klick verfügbar macht. Darüber hinaus bekommt der Benutzer auf Basis seines Nutzerverhaltens Vorschläge (‚smart suggestions‘), woran er vermutlich als nächstes arbeiten möchte. Bin ich mal gespannt darauf, ob ich richtig analysiert werde… :)

Eine neues Add-On für Bitbucket

Ein weiteres Highlight der Konferenz war Bitbucket Pipelines, ein Connect-Add-On für Bitbucket Cloud, welches Bitbucket um CI-Funktionalitäten erweitert. Durch das Zusammenspiel von Buildpipelines mit Docker und AWS geht die Funktionalität deutlich über die von Bamboo als eigengehostete CI-Lösung hinaus. Im Zuge dessen hat Atlassian die Unterstützung von AWS innerhalb von Data Center, ihrer Deploymentvariante für den Clusterbetrieb, angekündigt. Die Quick Start Guides mit CloudFormation Templates ermöglichen die einfache, unkomplizierte Einrichtung von Data Center – Instanzen inklusive autoscaling und instant provisioning.

Mehr dazu hier: https://bitbucket.org/product/features/pipelines

Wie man Arbeitsplätze agil gestaltet

Ein weiterer, sehr interessanter Vortrag befasste sich mit der Gestaltung von Arbeitsplätzen im agilen Umfeld. Dabei wurde gezeigt, wie Atlassian selbst seine Büros organisiert. Wesentliche Schlagworte sind hier Kollaboration, Teamwork und Flexibilität. Teams können ihre Büros nach ihren Bedürfnissen selbst anpassen und z.B. Tische und Wände je nach Bedarf verschieben. Apropos Wände: jede Wand bei Atlassian ist ein Whiteboard, die Designteams haben sogar beschreibbare Tische. Die einfachen Tools sind oft die besten…

Hier der komplette Vortrag:

DevOps bei Netflix

Netflix macht bis zu 35% des gesamten US-Internet-Traffics aus. Zweifellos eine große technische Herausforderung – noch interessanter fand ich aber den kulturellen Aspekt. Die Grundsätze lauten hier ‚freedom & responsibility‘ – die Teams haben im Sinne des DevOps-Ansatzes die ganzheitliche Verantwortung von der Spezifikation bis zu Betrieb und Wartung ihrer Komponenten, haben aber andererseits im Rahmen der Umsetzung auch große Freiheitsgrade, wie etwa bei der Auswahl von Tools, Frameworks und Programmiersprachen. Dadurch entsteht zwar ein großer ‚Zoo‘ an Technologien, was die Beherrschbarkeit und den Wechsel von Mitarbeitern zwischen Teams erschwert, andererseits kann aber auch die für die jeweiligen Anforderungen optimale Lösung erstellt werden. Die Microservice-Architektur gibt lediglich das Kommunikationsprotokoll vor (z.B. REST). In einem API-first-Ansatz werden Schnittstellen zwischen den Komponenten abgestimmt, deren Innenleben bleibt aber vollständig den jeweiligen Teams überlassen. Der zweite Grundsatz lautet ‚context oder control‘. Teams, die den Gesamtkontext, in dem sie agieren, verstehen und die Ziele ihres Projekts bzw. Unternehmens verinnerlichen, werden im Sinne der Gesamtoptimierung deutlich bessere Entscheidungen treffen als Teams, denen viele kleinteilige Ziele vorgekaut werden. Oder wie es schon Antoine de Saint-Exupery formuliert hat: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Auch diesen Vortrag kann man sich bei Youtube anschauen:

Weitere nützliche Add-Ons für Jira und Confluence

In einer weiteren Session, die ich noch gerne herausheben möchte, wurden interessante neue Add-Ons vorgestellt, die beim Codegeist, einer Art Hackathon für Add-On-Entwickler, eingereicht wurden. Mit Elevator for JIRA können z.B. Gruppen in Serviceteams definiert werden, an die dann Tickets zugewiesen werden können, inklusive eines Eskalationsmanagements bei Nichtbearbeitung. StepShot for Confluence ist ein Makro, womit einfach und schnell Step-by-Step-Anleitungen erstellt werden können. Aus Confluence heraus wird eine native Applikation gestartet, die bei jedem Mausklick einen Screenshot erstellt. Confluence-Templates unterstützen dabei, diese Screenshots dann weiterzuverarbeiten und als Anleitung in Confluence zur Verfügung zu stellen. 

Was bedeutet eigentlich „Deployment Flexibility“?

Generell wurde an verschiedenen Stellen immer wieder das Thema ‚Deployment Flexibility‘ hochgehalten. Während andere Firmen voll auf die Cloudschiene setzen und auch Atlassian in der Vergangenheit das Thema Cloud sehr stark in den Vordergrund gerückt hat, stehen jetzt die eigengehosteten Varianten Server und Data Center als gleichberechtigte Optionen neben der Atlassian Cloud. Im Bereich der Add-On-Entwicklung lag jedoch der Fokus eindeutig auf der Cloud. Die überwiegende Zahl an interessanten Add-On-Entwicklungen basierte auf dem Atlassian Connect Framework, der Entwicklungsumgebung für die Atlassian Cloud. Das Atlassian SDK, welches durch die Umstellung auf Java 8 qualitativ stark gelitten hat, fristet nach wie vor ein etwas stiefmütterliches Dasein, was unter anderem auch an der Qualität der verfügbaren Tutorials deutlich wird. Obwohl Atlassian bereits auf dem AtlasCamp im Mai versprochen hat, für Besserung zu sorgen, besteht hier immer noch Nachholbedarf. Zumindest wurde ein neuer Service Desk für den Entwicklersupport angekündigt, der die vielen unübersichtlichen Infoquellen an einer Stelle zusammenführt. Mal sehen, was da noch so passiert an der Ecke…