it-economics Coding Camp 2015

Coding Camp 2015

Zweimal ist ein Trend, dreimal eine Tradition. Dieses Jahr fand unser demnach inzwischen traditionelles 3. Coding Camp im herbstlichen Voralpenland statt, und zwar auf der vollständig in den Wolken versteckten Speckalm im Sudelfeld-Skigebiet.

An zwei Tagen durften die Entwickler von it-economics losgelöst von den Themen ihres Projektalltags neue IT-Trends ausprobieren und bei geschlossenen Vorhängen, nur angestrahlt vom bleichen Monitorlicht, ihre Laptops zum Glühen bringen.

Um die chaotische Schöpfungskraft zu kanalisieren, haben wir uns dieses Jahr das Thema „Cloud“ ausgesucht. Der Hintergrund: it-economics hat schon seit einiger Zeit eine Partnerschaft mit Amazon Web Services und zeitgleich mit der Durchführung des Coding Camps die Partnerstufe „Standard Consulting Partner“ erreicht.

Sich so einem breiten Themenfeld in zwei Tagen zu nähern, ist mit einem Schulungsansatz entweder nur punktuell vertieft oder in der Breite, dann aber oberflächlich möglich. Alles ein bisschen zu kennen finden wir unbefriedigend, und bei der punktuellen Vertiefung hat man die Qual der Wahl, welche Schwerpunkte gesetzt werden, und geht dabei das Risiko ein, am Interesse der Teilnehmer vorbei zu schulen.

Deshalb haben wir das Konzept des Open Space ausprobiert, bei dem die Initiative für die Themenwahl von den Teilnehmern ausgeht und der Rahmen der Veranstaltung möglichst wenig Einschränkungen hat. Es gibt lediglich einen Anfang, ein Ende und frei zur Verfügung stehende Ressourcen. Die Teilnehmer stellen im Plenum zum übergeordneten Thema Teilthemen vor, für die sie sich begeistern können und die Initiative übernehmen wollen, diese in Arbeitsgruppen voranzutreiben. Wenn sich genügend Gleichgesinnte (mindestens zwei) finden, wird die Arbeitsgruppe konstituiert. Zeitplan und Organisation der Arbeitsgruppen bestimmen die Mitglieder der Arbeitsgruppe. Das Ergebnisziel der Arbeitsgruppe darf im Arbeitsprozess umformuliert werden, und jedem Teilnehmer steht es frei, zwischen den Arbeitsgruppen zu wechseln. Jede Arbeitsgruppe muss am Ende seine Fortschritte und Ergebnisse präsentieren. Verpflegung wird in Form eines Buffets bereitgestellt, um nicht mit festen Essenzeiten zu stören.

Diese Veranstaltungsform lebt vom Engagement der Teilnehmer, und davon gab es mal wieder genügend. Nach einem Vortrag über Amazon Web Services von unserem Cloud-Architekten Bernhard Kern am Freitagmorgen stellten die Teilnehmer ihre mitgebrachten Projektvorschläge im Plenum vor und einigten sich anschließend auf vier von 15 Ad-hoc-Projekten, in denen Services und Konzepte der Cloud Services ausprobiert werden konnten.

In allen Projekten kam Docker zum Einsatz, entweder als Vehikel für Microservices oder Datenbanken, aber auch als CI-Umgebung, die leicht deployed werden kann. Docker hat seine administrativen Tücken, die aber in kurzer Zeit verstanden werden können, und es kann dann in vielen Bereichen die Umsetzung von Projekten gut beschleunigen.

Aber auch andere Services von AWS wie Lambda, Beanstalk und Machine Learning fanden Aufmerksamkeit und wurden ausprobiert. Die Idee hinter dem Einsatz von Machine Learning war zum Beispiel, aus Build-Artefakten wie Build-Log oder Testergebnissen ein Regelsystem zu ermitteln, mit dem das Risiko der vorgenommenen Änderungen und die Stabilität der neuen Version bewertet werden können. So kann beispielsweise eine überproportionale Verlängerung der Tests auf fehlerhafte Implementierung hindeuten. Als Konsequenz kann die KI bei zu hohem Risiko für eine unstabile Build-Version entscheiden, die CI Kette zu unterbrechen.

Für die Erstellung der Mini-Applikationen wurden die Frameworks Spring Boot , Express und Polymer ausprobiert. Spring Boot und Express wurden begeistert aufgenommen, weil damit auch Neulinge in kurzer Zeit befriedigende Ergebnisse erzielen konnten.

Zur Auflockerung der konzertierten Arbeitsatmosphäre gab es Freitagnachmittag einen Vortrag zum Thema „Datenschutz“ von Henner Storch mit anschließender Diskussion.

Mit Freude und einem fieberhaften Endspurt arbeiteten alle Teams bis Samstagmittag darauf hin, vorzeigbare Ergebnisse auf die Beine zu stellen und zu präsentieren. Angesichts der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit kam eine beeindruckende Zahl an Features zustande.

Wer viel arbeitet, kann auch viel feiern – und dafür wurde der Freitagabend mit ebenso viel Engagement genutzt, wie vorher in die Arbeitsgruppen investiert worden war. Nach einer Bayrischen Olympiade mit Tauziehen, Sägen und Maßkrug stemmen, bei der um die Schlafplätze in den Komfortzimmern bzw. auf dem Matratzenlager gekämpft wurde, genossen wir bei einem üppigen Essen den gemütlichen Hüttenzauber. Es gab sogar eine kleine TF2-LAN-Party.

Die einsame Hütte in den Bergen ist als Veranstaltungsort optimal geeignet, eine Klausuratmosphäre entstehen zu lassen; aber gleichzeitig war die Nebenbedingung der Abgeschiedenheit, nämlich eine langsame Internetleitung (1Mbit/s), das größte Hindernis für die einzelnen Teams. Fast jeder ist aber mit dem festen Vorsatz nach Hause gefahren, die Initiative für sein Cloud-Projekt mitzunehmen und im Nachgang noch ein paar liegengebliebene To-dos seines Projekts mit leistungsstärkerer Internetverbindung umzusetzen.

Rückblickend war die Form des Open Space die richtige Entscheidung, um jedem Teilnehmer eine neugierige Annäherung an dieses riesige Themenfeld zu ermöglichen und eine Begeisterung zu entfachen, die auch nach dem Coding Camp noch nachklingt. Im Feedback gaben alle Teilnehmer an, sehr viel Spaß gehabt und sich gut in das Thema eingearbeitet zu haben.

Tradition ist doch was Schönes!