SEPA – jetzt geht’s richtig los – oder doch nicht?

Übergangsfrist kurzfristig verlängert

Das Ziel der SEPA-Verordnung (Verordnung Nr. 260/2012) war, dass ab dem 1. Februar 2014 Überweisungen und Lastschriften grundsätzlich nur noch im SEPA-Format ausgeführt werden sollten, um einen EU-weit integrierten Markt für elektronische Zahlungen in Euro zu schaffen. Die Umstellung verlief in Deutschland jedoch relativ langsam. Die SEPA-Quote bei Lastschriften (SDD) lag im 4. Quartal 2013 bei 10,51 %, bei Überweisungen (SCT) bei 33,15 %.

Als Gründe für diese Quoten lassen sich u.a. folgende zwei Punkte aufführen: Es ist davon auszugehen, dass viele Lastschrifteinreicher auf die COR1-Lastschrift (eine Lastschrift mit verkürzter Vorlagefrist von einem Geschäftstag) gewartet haben, die jedoch erst November 2013 zur Verfügung stand. Des Weiteren stellt die Tatsache, dass für das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) eine Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2016 gilt und dieses Verfahren einen beachtlichen Anteil am Gesamtvolumen des Lastschriftverkehrs in Deutschland ausmacht, einen weiteren Grund für die geringe Migrationsrate dar.

Die offensichtlich in einigen Ländern befürchteten Schwierigkeiten sowie die noch im Dezember europaweit insgesamt niedrigen Quoten (siehe Abbildung 1 und 2) haben zu der unerwarteten Aussage des EU-Kommissars für Internal Market and Services, Michael Barnier, am 9. Januar diesen Jahres geführt, dass die Übergangsfrist für die SEPA-Migration um sechs Monate verlängert wird.

Abb.1: Europaweite Migrationsquote Dezember 2013 für SCT 73,78% (Quelle: ECB)

Abb.2: Europaweite Migrationsquote Dezember 2013 für SDD 41% (Quelle: ECB)

 

Konsequenzen der Verlängerung

Somit steht Zahlungseinreichern bis zum 1.August 2014 weiterhin die Möglichkeit offen, ihre Zahlungen gemäß alten Verfahren bei den Banken und Zahlungsdienstleistern einzureichen. Die Banken sind angehalten, bis zum neuen Stichtag auf Sanktionen gegenüber Kunden und Zahlungsverkehrsdienstleistern zu verzichten. Ob jedoch Kundeneinreichungen im Altverfahren angenommen werden, kann die Bank des Einreichers entscheiden. Beispielsweise hat die Sparkasse Düsseldorf beschlossen, die Verlängerung nicht vollständig zu nutzen und ihren Kunden die Einreichung im Altformat nur bis 31. März 2014 anzubieten. Das Lastschriftverfahren per Abbuchungsauftrag wird davon unberührt zum 1. Februar 2014 eingestellt.

Auch unsere europäischen Nachbarn handhaben die Umsetzung der Verlängerung unterschiedlich. Die Bandbreite erstreckt sich von einer vollen Beibehaltung der Altformate für 6 Monate (Niederlande) bis hin zu einer nur teilweisen Unterstützung für einen kurzen Zeitraum (Spanien, Belgien).

Unsere Kundenerfahrungen im Bankenbereich bestätigen die allgemeinen Aussagen, dass die Banken von der Verlängerung nicht angetan sind, da dies nun erhöhte Kosten aufgrund der Notwendigkeit des Doppelbetriebs entsprechender Systeme nach sich zieht. Jedoch ist keine (größere) Bank bekannt, die nicht im Sinne der Kundenfreundlichkeit die Verlängerung (zumindest teilweise) mitträgt.

Mittlerweile hat der Vorschlag des EU-Kommissars Barnier auch Rechtskraft erlangt, da die Zustimmung des europäischen Parlaments und des Rats vorliegt sowie die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt erfolgt ist.

Die aktuellen Zahlen, die wir auch durch unsere Erfahrungen bei Kunden in dieser Form bestätigen können, zeigen, dass inzwischen ca. 85% der Zahlungen im SEPA-Format, aber immer noch 15% im alten DTA eingereicht werden. Aufgrund der im Vorfeld gewonnenen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass es sich hierbei hauptsächlich um klein- und mittelständische Unternehmen sowie Vereine handelt.

Bewertung

Ob dieser SEPA-Start nun als erfolgreich zu betrachten ist, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Es lässt sich festhalten, dass die Einführung insgesamt reibungsloser ablief als befürchtet, ggf. auch bedingt dadurch, dass die „Problemkinder“ nun eine Gnadenfrist erhalten haben. Bleibt zu hoffen, dass sie diese nutzen und SEPA somit tatsächlich zu einem Erfolg wird.