Ein Blick in die Geschichte

In den 1980er Jahren machte sich Tim-Bernes Lee vom CERN in Genf Gedanken darüber, wie man wissenschaftliche Publikationen elektronisch veröffentlichen könnte. Dabei war es ihm wichtig, navigierbare Dokumente zur Verfügung zu stellen, die auch Verlinkungen enthalten konnten.

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1989 entstand daraus eine erste Definition von HyperText, und 1992 kam Mosaic als erster verbreiteter Browser. 1994 wurde das „World Wide Web Consortium“ (W3C) gegründet und der HTML2-Standard veröffentlicht. Es stiegen neue Spieler wie Microsoft und Netscape in das WWW-Rennen ein; 1995 entstand der HTML3-Standard und schließlich 1997 der HTML4-Standard. Danach blieb dieser lange Zeit aktuell, bis 2008 der erste Working Draft für HTML5 zur Verfügung stand; HTML5 selber wurde erst 2012 veröffentlicht.

Problematik

Zwischen 1997 (HTML4) und 2012 (HTML5) ist auf der Welt viel geschehen. Heute kann man mit einem Smartphone vieles tun, was in den 1990er Jahren nicht einmal auf einem PC möglich war. Die Hardware- und Softwareindustrie sind stark gewachsen, und mit ihnen wuchs die Zahl der Internetnutzer weltweit auf ein Fünf- bis Sechsfaches. Der HTML-Standard blieb jedoch über Jahre hinweg unverändert. Daher kamen viele neue Produkte zur Ergänzung des alten HTML4-Standards auf den Markt, wie Adobe Flash, Microsoft mit ActiveX, Java Applets und viele andere. Auch wenn diese Technologien zur Weiterentwicklung des World Wide Web beigetragen haben, wurde doch schnell klar, dass eine neue Standarisierung erforderlich war.

Mit HTML5 wird versucht, diese 11-jährige Lücke zu schließen.
 

Der HTML5-Standard

Zwischen 1997 und 2012 wuchs der Bedarf an neuen Funktionen stark an; dies betrifft vor allem Multimedia-Inhalte, Styling-Elemente, Möglichkeiten für „Rich Internet Applications“, synchrone Client-Server-Verbindungen und Geo-Location. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte, die mit HTML5 adressiert werden:

 

Mit HTML wird auch die Darstellung von Dokumenten vereinfacht. Ein HTML4-Dokument könnte etwa so strukturiert sein:

<!DOCTYPEHTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"
 "http://www.w3.org/TR/html4/loose.dtd">
<html>
<head>
<title>Titel meiner Seite</title>
</head>
<body>
 <div id="header">
 <h1>Hier ist ein Seitenheader</h1>
 <divid="menu">
<ahref="#">Link 1</a>
<ahref="#">Link 2</a>
 </div>
 </div>
 <div id="content">
 <div>Erster Teil</div>
 <div>Zweiter Teil</div>
 </div>
 <divid="footer">
 Published by it-economics.de
 </div>
</body>
</html>

Das gleiche Dokument könnte in HTML5 übersichtlicher dargestellt werden:

<!DOCTYPE html>
<html>
<head>
<title>Titel meiner Seite</title>
</head>
<body>
 <sectionid="main">
 <header>
<h1>Hier ist ein Seitenheader</h1>
 </header>
 <nav>
<ahref="#">Link 1</a>
<ahref="#">Link 2</a>
 </nav>
 <section>
<section>Erster Teil</section>
<section>Zweiter Teil</section>
 </section>
 <footer>
Published by it-economics.de
 </footer>
 </section>
</body>
</html>

Auf den ersten Blick ist der Unterschied gering, jedoch muss man an eine übliche Seite mit hunderten von Elementen denken. Da hilft so eine Struktur, um den Elementen auch einen semantischen Sinn zu geben. Seiten können so übersichtlicher und ordentlicher aufgebaut werden.

Andere Elemente wie canvas, audio, video erlauben es, Inhalte, die bei HTML4 nur mit externen Plugins möglich waren, standardmäßig einzufügen.

Tendenzen

Seit der Veröffentlichung des ersten Drafts haben verschiedene Browserproduzenten angefangen, HTML5-Eigenschaften zu unterstützen:

 

Die Tendenz zeigt, dass auch Firmen wie Apple und Microsoft versuchen, dem Standard zu folgen. 2014 soll eine geeignete Interoperabilität gefunden werden, um damit Probleme wegen unterschiedlicher Interpretation und/oder Implementation des Standards zu beseitigen.

Einsatzmöglichkeiten

Wer heute anfangen will, HTML5 zu benutzen, sollte sich mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wann kommt mein Produkt auf den Markt?
  • Wer wird das Produkt benutzen?
    o Benutzer in einem Intranet
    o Endbenutzer im Internet
    o In welchen Ländern bzw. Regionen wird das Produkt eingesetzt?
  • Welche Browser müssen unterstützt werden?
  • Welche Eigenschaften von HTML5 werden benötigt?
  • Welche Browser – und deren Versionen – unterstützen diese Eigenschaften?

Zur Beantwortung dieser Fragen kann man sich z.B. mit folgenden Tools behelfen:

  • http://html5test.com: Auf dieser Seite kann man nachschlagen, welche HTML5-Funktionen auf welchen Kombinationen von Browsern und Versionen lauffähig sind.
  • http://gs.statcounter.com/: Hier kann man Benutzungsstatistiken verschiedener Browser untersuchen. Die Daten können auch nach Region ausgewertet und verglichen werden. Es stehen außerdem historische Daten zur Verfügung, mit denen Tendenzen analysiert werden können.

Nach der langen Wartezeit bis zur Fertigstellung von HTML5 ist es nicht einfach, heterogene Interessengruppen in einem einzigen Standard zusammenzubringen. Die Erfahrung zeigt, dass die verschiedenen Browser sich grundsätzlich an HTML5 halten. Einige Funktionen sind jedoch im Verhalten noch unterschiedlich, und selbst mit HTML5-konformen Entwicklungen werden noch einige spezifische Variationen zwischen Browsern benötigt. Solche Probleme sollten grundsätzlich in der „Interoperability Testing and Performance“-Phase vom HTML5-Standard adressiert werden. Bald werden wir sehen, ob das W3C es schafft, das World Wide Web auf einen endgültigen Standard zu bringen, der auch hohe Entwicklungskosten wegen der Umsetzung auf verschiedenen Browsern vermeiden kann.

Referenzen: