Bericht Mobile Tech 2013

Vom 11. Bis 14. März 2013 fand in München die Mobile Tech Conference 2013 statt. Das breite Themenspektrum und die interessante Mischung aus Workshops, Hands-On-Vorträgen zur Konzeption und Entwicklung mobiler Lösungen bis hin zu Themen wie User Experience oder Erfolgsfaktoren im Mobile Business hatten für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Montag war Workshop-Tag – ich entschied mich für das Thema Responsive Design („Responsive ist noch lange nicht mobil“) von Annika Brinkmann. Responsive Websites basieren auf einem einzigen Template und passen über sog. „media queries“ den sichtbaren Inhalt abhängig von den Eigenschaften des Endgeräts entsprechend an. Es muss also immer nur eine Version einer Seite gepflegt werden, die zudem für alle Plattformen immer über dieselbe URL zugänglich ist. Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass immer alle Inhalte ausgeliefert werden, da erst am Endgerät „entschieden“ wird, welche Teile davon angezeigt bzw. ausgeblendet werden sollen. Es wird also i.d.R. Bandbreite verschenkt. Die Alternative besteht darin, für mobile Endgeräte jeweils eigene mobile Websites zu erstellen und über Subdomains zugänglich zu machen. Die Auswahl der anzuzeigenden Inhalte erfolgt in diesem Fall serverseitig anhand des übertragenen user agents. Die Einbeziehung des user agents kann auch im Falle von Responsive Design genutzt werden, um die auszuliefernden Inhalte bereits am Server endgerätespezifisch anzupassen. In der Praxis wird also je nach Anwendungsfall oftmals eine Mischform aus Responsive Design und mobilen Websites zum Ziel führen – die Wahrheit liegt wie so oft im Leben in der Mitte…

Im Vortrag „Von der Mobilitätspotentialanalyse zur Konzeption von Apps“ stellte Steffen Hess ein modular aufgebautes Vorgehensmodell des Fraunhofer Instituts vor, welches den Weg von der Analyse des Mobilitätspotentials von Geschäftsbereichen, Rollen und Prozessen bis hin zur Konzeption und Erstellung mobiler Applikationen unterstützen soll. Die grundlegenden Aussagen („Baue die richtigen Apps richtig“ und „Konzeption vor Entwicklung“) waren nicht wirklich neu oder bahnbrechend. Interessant fand ich aber die Aussage, dass bei der Potentialanalyse häufig der Beitrag zum Geschäftswert von mobilen Anwendungen für einzelne Rollen im Unternehmen signifikant zu Gunsten von Führungskräften „schöngerechnet“ wird. Im Zweifel bekommt dann eben der Abteilungsleiter seine Applikation, um ein hübsches Dashboard anzuzeigen,  obwohl eine mobile App zur Datenerfassung für Außendienstmitarbeiter objektiv betrachtet deutlich nutzenstiftender wäre. Das wissende Schmunzeln, welches in dem Moment durch den Vortragsraum schwirrte, sprach Bände - es lebe die Politik… :)

Die Keynote an diesem Tag kam von David Maret von Distimo, einer Marktforschungsfirma, die Download- und Umsatzzahlen von Apps über verschiedene App Stores hinweg analysiert. Der Google Play Store holt hier im Vergleich zum Apple Store massiv auf – während der Androidmarkt in Sachen Downloadzahlen die iOS-Gemeinde bereits überflügelt hat, hinkt er in Sachen Monetarisierung hingegen noch deutlich hinterher. Was die Umsatzgenerierung betrifft, haben mittlerweile In-App-Käufe über kostenlose Apps im Vergleich zu kostenpflichtigen Apps deutlich die Nase vorne. Welche Option zu bevorzugen ist, hängt jedoch immer vom konkreten Einzelfall ab – leider wieder keine Silver Bullet…

Christian Bopp von der facit digital GmbH beleuchtete in seinem Vortrag „Mobile User Experience optimieren“ die Nutzwertoptimierung digitaler Medien im mobilen Kontext. Quintessenz war für mich die Tatsache, dass der Nutzer von Beginn an im Fokus der Entwicklung stehen sollte – für die Verfechter agiler Ansätze (und hoffentlich nicht nur für die) jedoch auch keine wirklich neue Erkenntnis.  Um optimalen Kundennutzen zu erhalten, sollten die verschiedenen Nutzungstypen und –intentionen berücksichtigt und entsprechend bedient werden. Ein Automobilhersteller wird sich z.B. am Desktop auf seine Modellübersicht und Markenphilosophie (Unterhaltung und Information) fokussieren, während für den mobilen Nutzer eher Inhalte wie etwa die Händlersuche oder der direkte Zugriff auf eine Servicehotline (schnelle ortsgebundene Hilfe) in den Mittelpunkt rücken.

Insgesamt war die Mobile Tech Con 2013 aus meiner Sicht eine gelungene Veranstaltung, die das Thema Mobile von verschiedenen Seiten beleuchtete und einen guten und vielschichtigen Überblick über aktuelle Themen und Trends der Mobile-Branche bot.

Quellen:
[1]   Vortrag / Workshop Annika Brinkmann, Mobile-Knowledge.de: Webstrategien mit Responsive Design - "Mobile first" auf dem Prüfstand
[2]   Vortrag Steffen Hess, Fraunhofer IESE: Von der Mobilitätspotentialanalyse zur Konzeption von Apps
[3]   Keynote David Maret, Distimo: Mobile App Store - The Who, the where, the why, the how
[4]   Vortrag Christian Bopp, facit digital GmbH: Mobile User Experience optimieren: den Nutzer mit einbeziehen