SEPA Days in Frankfurt, Düsseldorf und München

SEPA Days in Frankfurt, Düsseldorf und München

Im September und Oktober 2012 fanden die SEPA Days statt, an denen vor allem Fachleute aus dem Bereich Zahlungsverkehr von Banken, Versicherungen und Firmen teilnahmen. Focus der SEPA Days ist es, über die neuesten Entwicklungen und Erfahrungen zu SEPA (Single Euro Payment Area) zu berichten und sich über die notwendigen Aktivitäten neben Fachleuten auch mal mit anderen Marktteilnehmern auszutauschen. Zudem ist der SEPA Day eine hervorragende Gelegenheit, um Fragen zu kritischen oder noch unklaren Zusammenhängen oder Interpretationen zu SEPA zu stellen und zu diskutieren, oder auch, um von neuen Ideen oder Möglichkeiten zu erfahren.

Zusammen mit unserem Kooperationspartner haben wir dort zu SEPA referiert und eine Live-Demo einer Mandats-Management-Lösung mit kompletter SEPA-Direct-Debit (SDD)-Verarbeitung vorgestellt.

Die Idee dieses Blogs ist es, ein paar der interessanteren Fragen festzuhalten und einen Eindruck von dem zu geben, was auf den SEPA Days in Fankfurt, Düsseldorf und München vorgestellt und besprochen wurde:


News vom SEPA Day in Frankfurt, 11. September 2012


Reason- und Purpose-Codes

Einige Unternehmen möchten die Reason- und Purpose-Codes in ihren Fibu-/ERP-Systemen stärker auswerten und hätten diese daher gern mit auf dem Kontoauszug, und zwar sowohl auf den beleghaften als auch auf den elektronischen Auszügen.

Kennzeichnung Erst-/Folgelastschrift

Es wurde gefragt, ob man der Einfachheit halber jede Lastschrift als Erstlastschrift kennzeichnen kann. Die Meinung der Fachleute dazu war, dass nur wenige Firmen dies beim Eingang prüfen und dass vermutlich nichts passiert und die Zahlung trotzdem ausgeführt wird. Dies ist ja auch im Sinne des Verbrauchers. Allerdings besteht das Risiko einer Abmahnung, da einige dieses Feature aufwändig implementieren und es von anderen ebenfalls öffentlichkeitswirksam einfordern könnten. Zudem ist natürlich auch die 5-Tages-Frist dann ein Problem. Alles als Folgelastschrift einzureichen, ist fachlich falsch.

Probleme in Italien vorprogrammiert

Italien hat grundsätzlich alle Kunden für SDD gesperrt und schaltet die Konten nur auf Anfrage dafür frei. Dies ist rechtens, wenn ein Kunde auch bisher bei Inlandslastschriften eine Sperrung hatte, was in Italien eben aber häufig nicht der Fall sei. Grundsätzlich muss eine Bank nur das Äquivalent in SEPA anbieten, welches sie auch bisher angeboten hatte.

Achtung bei Bausparkassen

Bausparkassen sind mit der Umsetzung von SEPA und IBAN sehr spät dran. Das sollte beachtet werden, z.B. bei Überweisungen von VL im Rahmen von Gehaltszahlungen. Es wird empfohlen, dies vorab abzuklären, um Abweisungen zu vermeiden.

Konten im Ausland

Mit der neuen technischen EU-Verordnung zu SEPA, die am 28. Juni 2012 den Bundestag passiert hat und deren Finalisierung im November erwartet wird, wird wohl auch folgende beliebte Klausel unwirksam: „Das Konto muss in Deutschland geführt werden“. Diese entspricht nicht dem erweiterten Binnenmarktziel und alle Konten müssen in SEPA erreichbar sein. Damit könnten auch Krediteinzüge, die bisher nur im Inland möglich waren, aus dem Ausland erfolgen. Aus diesem Grund muss bei Konten immer auch eine AWV/AWG-Auswirkung betrachtet werden.

e-Mandates

Österreich hat sich auf e-Mandates und COR1 geeinigt. Dies soll dort 2013 bankenweit eingeführt werden. Giropay und EBA mybank beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema e-Mandates für 2013. e-Mandates wurden auf dem Kongress mehrfach besprochen und werden als wichtiges Hilfsmittel für den Online- und Telefonhandel gesehen. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) beschäftigt sich momentan leider nicht mit diesem Thema. Das stieß bei vielen Unternehmen auf dem Kongress auf Unverständnis. E-Mandates seien aber bereits vollständig beschrieben und implementierbar. Es wurde darauf hingewiesen, dass andere Verfahren statt e-Mandate oder QES keine wirksame Mandatsermittlung darstellen (z.B. nPA, Double Opt-In per SMS oder E-Mail, elektronische Unterschrift mittels Maus, iPad). Daher fehlt ein wichtiger Link bei der Erstellung von Mandaten für die weitere Nutzung von Lastschriften im Online-Handel.

Preisgestaltung

R-Messages dürfen nicht willkürlich bepreist werden, stattdessen sollten diese rein kosten- und marktvergleichsorientiert berechnet werden. Selbst die europaweit günstigen Rücklastgebühren stehen in Deutschland auf dem Prüfstand des Verbraucherschutzes, da diese in Deutschland zum Teil vergleichsweise sehr hoch und willkürlich gesetzt sind.

Das neue Recht des Verbrauchers, Lastschrifteinzüge von bestimmten Gläubigern in Höhe, Frequenz etc. einzuschränken, könnten separat bepreist werden. Diese Funktion muss von Payment Service Providern auf Wunsch des Zahlungspflichtigen angeboten werden, er hat ein Recht darauf.
 

News vom SEPA Day in Düsseldorf, 25. September 2012

Rückholung von Lastschriften bei Insolvenzen

Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens werden Lastschriften gerne zurückgeholt, bei ungültigen oder nicht vorhandenen SEPA-Mandaten auch bis zu 13 Monate später. Dies wird momentan bei Insolvenzverwaltern verstärkt propagiert und daher vermehrt Anwendung finden (z.B. bei Online-Einkäufen mit Lastschrift). Aus diesem Grund wird empfohlen, darauf zu achten, dass SEPA-Lastschriftmandate korrekt eingeholt werden.

SEPA-Mandatsvordruckvorschläge der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) können bei Auslandseinzügen zu Problemen führen

Es wurde erwähnt, dass die Verwendung von DK-Mandatsvorlagen ggf. zu Rückfragen oder Ablehnungen im SEPA-Umfeld außerhalb von Deutschland führen kann, da diese nicht dem sehr viel mehr ausspezifizierten EPC-Vorlagenformat folgen, das v.a. im restlichen SEPA-Raum Anwendung findet. Die DK-Mandatsvorlagen sind aber relativ bequem für den Deutschen Verbraucher, da weniger Felder ausgefüllt werden müssen und sie der heutzutage gebräuchlichen Einzugsermächtigung mehr ähneln. Daher sollte bei Einzügen im Ausland sicherheitshalber eher das EPC-Format verwendet werden.

Mandatssperrungen (Refusals)

Aus Diskriminierungsgründen dürfen nicht ganze Länder im Rahmen von Mandatssperrungen (Refusals) für Lastschriften gesperrt werden. Jedoch muss der Verbraucher sein Recht auf Einschränkung von Frequenz und Höhe der Mandate jederzeit ausüben können. Er kann aber nicht generell alle Mandate bzw. Einzüge aus einem anderen SEPA-Land sperren.

Kombimandate

Bevor die Möglichkeit der Umwidmung von Einzugsermächtigungen bestand, wurde vom DK empfohlen, sogenannte Kombimandate zu nutzen, die sowohl die Elemente einer Einzugsermächtigung als auch der SEPA-Lastschrift beinhalteten. Der Einsatz von Kombimandaten ist nun nicht mehr notwendig, da bei einer Umstellung auf SEPA der Kunde ohnehin nochmals informiert werden muss und aufgrund der neuen Umwidmungsmöglichkeit kein separates Mandat mehr nötig ist. In bestimmten Fällen kann es aber dennoch interessant sein, das Kombimandat zu benutzen, um BIC, IBAN oder die Adresse des Kunden zu erhalten ohne konvertieren zu müssen.

Konvertierbarkeit in SEPA

Eine telefonisch erhaltene oder nicht mehr in Papierform vorhandene Einzugsermächtigung ist nicht in SEPA konvertierbar; in diesem Fall muss ein neues Mandat eingeholt werden. Aus Risiko- und Kostenaspekten könnte dieses auch erst bei Beschwerden im Nachhinein nochmals neu eingeholt werden, z.B. um nicht ein bestehendes Geschäft zu gefährden, da der Kunde sich über die Sinnhaftigkeit von einzelnen Lastschriften nochmals Gedanken machen kann (z.B. eine vergessene Reiseversicherung, die man nicht gekündigt hatte). Das Risiko bei diesem Vorgehen ist aber, dass der Kunde dann den Einzug noch 13 Monate lang zurückgeben könnte.

Aufbewahrungspflicht

Eine Aufbewahrung von papierhaften Mandaten nach Digitalisierung ist nicht notwendig. Die Aufbewahrung des Mandats im Original ist nicht verpflichtend, solange eine digitalisierte Kopie vorhanden ist, die jederzeit ausgedruckt werden könnte.

QR-Codes

Die Nutzung eines QR-Codes oder zumindest der Vordruck von Zahlungsempfänger-Daten in Rechnungen kann auch für das Rechnungswesen von Zahlungsempfängern bei der Erstellung von vorausgefüllten Rechnungen relevant sein, um die vollen Vorteile von SEPA-Überweisungen nutzen zu können und für die Kunden die Probleme bei der Eingabe von IBAN/BIC/End-to-End-Referenz zu reduzieren. Somit kann bei den Zahlungsempfängern durch weniger manuelle Zuordnungen auch eine bessere Straight-Through-Processing (STP)-Rate erreicht werden. Die Einbindung von QR-Code- oder Zahlungsbeleg-Scannern in Online-Banking-Apps samt einer automatischen Ergänzung der Informationen über den Zahlungspflichtigen aus dem Online-Banking heraus wird daher Kreditinstituten, die dies noch nicht anbieten, sehr empfohlen (für SEPA CT/DD wurden die QR-Code-Definitionen z.B. in Österreich definiert).
 

News vom SEPA Day in München, 23. Oktober 2012

Hinweis zur besseren Nutzung der Gläubiger ID (Creditor ID)

Die 18-stellige, deutsche Gläubiger ID (max. 35 Stellen in anderen Ländern) besitzt frei vergebbare Ziffern, welche vom Gläubiger im Rahmen des Einzugsprozesses zur Unterscheidung von Lastschriften, alternativ zu bisherigen Verfahren, genutzt werden können (z.B. bei Mieteinzügen statt Sonderkontonummern oder bei Versicherungen zur Unterscheidung der einzelnen Sparten anstelle eines Textes im Verwendungszweck). Die Stellen 5 bis 7 der Gläubiger ID enthalten die Geschäftsbereichskennung (Business Code), welche vom Gläubiger - beispielsweise zur Kennzeichnung einzelner Geschäftsbereiche oder Filialen des Lastschriftgläubigers - beliebig mit alphanumerischen Zeichen (jedoch keine Leerzeichen, Sonderzeichen oder Umlaute) versehen werden kann. In der Regel werden diese drei Stellen mit den Buchstaben „ZZZ“ belegt und nicht benutzt. Dies sollte bei der Umstellung auf SEPA mitbetrachtet werden. Gegebenenfalls muss evaluiert werden, ob die Prozesse angepasst werden sollten.


Nutzung der Vorabankündigung (Prenotification)

Regelmäßig wird hinterfragt, was passiert, wenn dem Zahlungspflichtigen keine Vorabankündigung geschickt wird. Grundsätzlich wird in diesem Fall die Inkassovereinbarung zwischen Bank und Einreicher verletzt, die die Vorabankündigung fordert, welche theoretisch zu einer Kündigung der Einzugsermächtigung seitens der Bank führen kann.

Viel entscheidender ist aber, dass mit der Ankündigung (auch in Form einer Rechnung, wenn die notwendigen Informationen enthalten sind) ein Verzugsziel dem Zahlungspflichtigen mitgeteilt wird. Ohne eine Vorabankündigung kann der Gläubiger daher den Zahler nicht rechtswirksam in Verzug setzen, da dieser argumentieren könnte, dass ihm keine Information vorlage, um für die Deckung seines Kontos zu sorgen. Daher würden dem Gläubiger in diesem Fall auch die Rücklastgebühren auferlegt werden.

Demzufolge muss bei der SEPA Umstellung bei der Betrachtung von Zahlungsprozessen auf diesen Umstand geachtet werden. Ebenfalls interessant ist, dass bei einer vom Gläubiger verursachten, fehlerhaften Lastschrift jedesmal wieder die 14-tägige Prenotification Pflicht anfängt. Bei fehlender Deckung seitens des Zahlungspflichtigen kann im Falle einer korrekten Prenotification auf die 14-Tage Frist verzichtet werden, jedoch muss der Zahler über den neuen Einzugstermin (z.B. mindestens innerhalb 5 Tage vor dem avisierten Settlement Tag) informiert werden.

Die 14-Tage Frist ist sicherlich lästig für viele Unternehmen und könnte "Rulebook konform" mit einer AGB-Änderung reduziert werden. Oftmals ist aber eine Änderung der AGB's mit einem Sonderkündigungsrecht verbunden (z.B. Telekommunikationsunternehmen). Daher werden diese Unternehmen eher keine Änderung ihrer AGB's in Altfällen anstreben, sondern geänderte AGB's nur Neukunden anbieten. In diesen Fällen empfiehlt es sich, - analog von Versorgern - Abschläge mit einer einfachen Vorabankündigung zu erheben und Differenzen später zu verrechnen.