SEPA Direct Debits

Wer ist der Initiator

Auf Initiative des European Payment Council (EPC) mit Sitz in Brüssel wurde im Januar 2008 SEPA (Single EURO Payment Area) auf den Weg gebracht. Laut EPC soll seit dem Start der SEPA nicht mehr zwischen nationalen und anderen europäischen Staaten unterschieden werden. Dieser regulative Schritt ist aus Sicht Brüssels notwendig, um einen einheitlichen Binnenmarkt zu verwirklichen und die zersplitterten nationalen Zahlungssysteme zu vereinheitlichen. In Ergänzung wurde vorab eine eigene europaweite einheitliche Kontonummer (IBAN) und Bankidentifikation (BIC) eingeführt.
Das Ziel von SEPA ist vor allem die Harmonisierung der Zahlungsabwicklung von grenzüberschreitenden Zahlungen sowohl bei Überweisungen als auch Lastschriften. Dies ist eine Voraussetzung für ein effektives und kostengünstiges Settlement bei allen beteiligten Institutionen.

Mengengerüste und Verbreitung

SEPA (Single EURO Payment Area) steht für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, in dem alle ausschließlichen EURO Zahlungen innerhalb der EU27 Länder, die drei Länder des übrigen europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sowie die Schweiz und Monaco wie inländische Zahlungen behandelt werden. Kurzum für den Bereich, der für ca. 90% aller innerhalb Europas vorgenommen Zahlungen steht.

 

Seit November 2010 müssen auf Betreiben des EPC alle europäischen Banken zumindest passiv SEPA Zahlungen empfangen können. Somit ist Erreichbarkeit über SEPA im ganzen SEPA Raum gegeben.


Funktionsweise

Die Hauptverfahren innerhalb von SEPA sind neben der SEPA-Card zum einen die Anfang 2008 eingeführte SEPA-Überweisung, auch SEPA Credit Transfer (SCT) genannt, und zum anderen die 2009 eingeführte SEPA-Lastschrift, auch SEPA Direct Debit (SDD) genannt, in zwei Ausführungen:

  • SDD B2B, die dem deutschen Abbuchungsauftrag entspricht (ohne Rückgabemöglichkeit, nur für Firmenkunden, Verpflichtung der Zahler-Bank, das Mandat zu prüfen)
  • SDD Core oder B2C entspricht dem Einzugsermächtigungsverfahren (mit Rückgabemöglichkeit, für Privatkunden und auch Firmen)

Für die Teilnahme an SDD muss der Händler eine eindeutige ID, z.B. für Deutschland bei der Bundesbank beantragen (https://extranet.bundesbank.de/scp/lizenz.do) und ein schriftliches oder elektronisches Mandat mit Mindestinformationen (Bank Identifier Codes (BIC), International Bank Account Number (IBAN), Mandats ID etc.) vom Schuldner erhalten. Für andere Länder kann die Creditor ID bei der jeweilgen Hausbank beantragt werden.
Das Mandat hat eine Gültigkeit von 36 Monaten und verlängert sich, falls es in dem Zeitraum genutzt wird. Eine Reduzierung der schriftlichen Vorankündigung von 14 Tagen vor dem Fälligkeitstag kann der Händler mit dem Kunden vereinbaren. Im Gegensatz zum nationalen Verfahren, das eine Zahlung bei Sicht vorsieht, geht SEPA von einem festen Fälligkeitstag („Due Date“) aus, was eine bessere Liquiditätsplanung ermöglicht.  Im Folgenden ist ein papierhaftes Beispiel Mandat gezeigt. Dieses kann aber auch optisch vom jeweiligen Händler verändert werden muss aber bestimmte Mindestinformationen vorweisen.

SEPA basiert auf dem Creditor Mandate Flow (CDF), der im Gegensatz zu den Gepflogenheiten südlicher Euroteilnehmern (Debtor Mandate Flow (DMF), sehr dem deutschen Verfahren ähnelt, bei dem der Gläubiger der Initiator und Verwalter der bislang papierhaften Dokumente ist und der Kunde nach Kauf ein papierhaftes Mandat dem Gläubiger zuschicken muss.

Für das e-Payment im Rahmen eine e-Commerce Handels ist dieses Verfahren nur sehr bedingt geeignet. Daher wurde 2009 ein sogenanntes e-Mandate als Additional Optional Service (AOS) vom EPC veröffentlicht, das erst die Eignung von SEPA für den e-Commerce Handel schaffte. Daher wird im Weiteren vor allem in diesem Blog das e-Mandate Verfahren näher vorgestellt.

Das e-Mandate basiert auf dem ISO20022 XML Format und gilt sowohl für SEPA Core und B2B. Das EPC hat dazu Implementation Guidelines und ein Operating Model bereits 2009 vorgestellt.

Vorstellung des Ablaufs einer e-Mandates Vergabe
(Quelle: EPC e-Operating Model V1.5 31 März 2009)

Die wesentlichen Schritte für das auf encrypted Internet Technologien angesiedelte EPC e-Operating Model bei der Generierung eines E-Mandates sind:

  1. Der Debtor geht auf seinem Rechner auf die Website des Creditors. Er wählt die e-Mandate Option statt z.B. Kartenzahlung. Erbekommt eine Maske angezeigt, in der er die Pflichtinformationen eingibt (vor allem IBAN, BIC des Debtors, oder als Übergangsvorschlag noch die BLZ/Kontonummer und diese mittels eines geeigneten Services (z.B. Bankverlag) werden in IBAN/BIC transferiert)
  2. Die Creditor Website erzeugt das e-Mandat und schickt dieses zum „Routing Service“ (kann von einer Bank selbst oder einem externen Dienstleister dieser Bank sein) Nach einer Überprüfung der BIC/IBAN wird mittels der angegebenen BIC der entsprechende Validation Service der Debtor Bank rausgesucht.
  3. Der Routing Service schickt das e-Mandate zum sogenannten „Validation Service“ der Debtor Bank. Des Weiteren wird die Website auf die Debtor Bank Website umgeleitet.
  4. Die von der Debtor Bank bereitgestellte Validation Service Website fragt den Debtor nach den Online Credentials seiner Online Kontenverbindung.
  5. Dieser gibt alle Zugangsdaten ein und wird von der Bank authentifiziert.
  6. Nach einer erfolgreichen Authentifizierung wird ihm das e-Mandate angezeigt und er kann es bestätigen. Ggf. kann die DebtorBank alle für das e-mandate fehlende Informationen als Service für den Debtor automatisch hinzufügen, die er dann nicht eingeben muss. Die Debtor Bank speichert das Mandat
  7. Die Debtor Bank schickt das signierte e-Mandate an den Routing Service der Creditor Bank, schliesst ggf. die Session und leitet wieder auf die Creditor site um.
  8. Anschliessend bestätigt die Creditor Website dem Debtor die erfolgreiche Bestätigung des e-Mandates und speichert das e-Mandat. Somit ist der Verkauf abgeschlossen und es kann im Folgenden eine Lastschrift eingezogen werden.


Rechtlicher Rahmen

Mit der EU-Richtlinie über Zahlungsdienste (ZAG) im Binnenmarkt (Payment Services Directive; PSD) wurde am 1. November 2009 durch das Europäische Parlament (EC) nun auch ein einheitlicher Rechtsrahmen für Eurozahlungen innerhalb der Europäischen Union geschaffen. SEPA basiert auf den Ideen der PSD und wurde vor allem auf Verbraucherschutz ausgerichtet.


Zusätzliche Schutzfunktionen und Absicherungen

Der Schuldner hat ein „no questions asked“ Käuferschutz Recht um Zahlungen innerhalb von 8 Wochen zurückzugegeben. Im Fall einer juristisch nachweislich gefälschten oder nicht vorhandenen oder authorisierten Lastschrift hat er sogar ein Recht bis zu 13 Monate nach Fälligkeitstag. Durch den Einsatz eines e-Mandates kann eine Reduzierung des Ausfallrisikos für den Händler auf 8 Wochen erreicht werden.
In Deutschland ist eine sechswöchige Rückgabefrist bereits etabliert und gut akzeptiert. Daher ist die Verlängerung auf 8 Wochen eher akademisch zu sehen, da die allermeisten Rückgaben tatsächlich innerhalb der ersten fünf Tage eingehen. Eine Auswirkung durch die Verlängerung um zwei Wochen ist in Deutschland kaum zu befürchten.
Der Gläubiger muss sich bei einer zentralen Institution seines Landes (z.B. Bundesbank) eine eindeutige Creditor ID besorgen, so dass für den Einkäufer gesichert ist, dass nur ein dort registrierter Gläubiger auch tatsächlich den Einzug macht.
Auch wird die eindeutige Mandatsreferenznummer immer zusammen mit der Creditor ID zu einer eindeutigen Identifizierung und ggf. einer Prüfung eines e-Mandates führen. Viele Banken haben ihre Kunden vor unberechtigten Ersteinzügen durch SEPA DD geschützt in dem sie deren Konten nur auf Anforderung des Kunden freischalten. Einige Lösungen unterscheiden hierbei auch B2C oder B2B.
Der Debtor Kunde hat verschiedene Möglichkeiten einzelne oder wiederkehrende Lastschriften auch vorab für bestimmte Creditoren oder bestimmte Zahlungen eines Creditors abzulehnen.


Kosten für SEPA

Mit der PSD dürfen die Banken z.B. innerhalb von SEPA nicht mehr die Gebühren für SEPA Zahlungen verlangen wie bei entsprechenden nationalen Zahlungen. Es ist stark davon auszugehen, dass SEPA für Geschäftskunden und den Handel grundsätzlich günstiger angeboten werden könnte als z.B. bei Kreditkarten oder anderen Zahlverfahren. Dies bedeutet natürlich im Umkehrschluss auch, dass die Erträge aus dem Transaction Banking vor allem im AZV im Zuge der Harmonisierung in SEPA sinken werden und durch weitere Effizienzsteigerungen aufgefangen werden müssen.
 

Hindernisse und Risiken

Der Start von SEPA, und dort vor allem bei SDD, ist eher schleppend in Deutschland verlaufen, da viele Unternehmen aus Kosten- und Mandatsumstellungsgründen (Austausch aller im Bestand liegender Einzugsermächtigungen) auf den weiterhin gültigen nationalen Zahlungssystemen beharren. Gerade Versicherungen scheuen neben der Umstellung auf IBAN/BIC den immensen Aufwand. Auch das e-Mandate Verfahren erfreut sich offensichtlich derzeit keines Interesses bei den Banken noch bei den Händlern oder Einkäufern.
Daher hat die EU 2010 eine Roadmap für den Ausstieg aus den nationalen Verfahren vorgestellt. Laut diesem Fahrplan sollen die letzten nationalen Überweisungen bis Ende 2012 und die letzten nationalen Lastschriften ein Jahr später aus dem Verkehr gezogen werden. Dabei setzt die EU vor allem auf staatliche und gemeinschaftliche Institutionen, die dort vorangehen sollen.
Dazu kommt noch, dass die meisten kleineren Unternehmen sich noch nicht oder nur rudimentär über SEPA informiert haben oder die Auswirkungen kennen. Es wird daher erwartet, dass erst 2012/2013 viele Unternehmen ihre Systeme auf SEPA aufrüsten werden.

Auch einige Banken haben die Auswirkungen von SEPA noch nicht voll erkannt oder scheuen die weiteren Investitionen. So haben sehr viele Banken nur die Grundfunktionalitäten von SEPA implementiert und sind tatsächlich nur passiv erreichbar.