Teufel nochmal, ist Facilitation schwierig! – Der Devil’s Facilitation Playground hilft.

Dass die neutrale Moderation von Meetings und Entscheidungsprozessen zu den Aufgaben eines Scrum Masters gehört, erfährt man oft im CSM-Training. Doch in der Praxis ist das für viele neue Scrum Master eine echte Herausforderung. Wer kennt das nicht: Jemand regt sich über ein Thema auf, während der andere immer und immer wieder dasselbe wiederholt, zwei tuscheln nebenher, der Stille am Rand holt sein Smartphone raus, und auf einmal eint alle nur noch der Wunsch, dass das Meeting möglichst bald vorbei ist. Schnell wird noch pro forma ein Ergebnis abgesegnet, und dann nichts wie raus hier. Da ist man als Scrum Master oft nur allzu schnell mit seinem Moderatorenlatein am Ende. Wenn man das nur irgendwie üben könnte!

Das Spiel mit dem Teufel

Wie schön, dass das gar nicht so schwer ist! Heute stelle ich Euch ein einfaches Format vor, mit dem man in einen spielerischen Rahmen lernen kann, Facilitation-Techniken in Meetings erfolgreich einzusetzen: den Devil’s Facilitation Playground.

Dabei handelt es sich um ein Rollenspiel mit dem Fokus auf Wegen, wie man mit kontraproduktiven Verhaltensweisen in Meetings als Moderator umgehen kann. Ich habe es im Oktober 2019 beim Scrum Gathering in Wien kennengelernt und als sehr hilfreich empfunden. Vielen Dank an dieser Stelle an Marina Haase und Fabian Schiller, die es entworfen und der Community mit einer Creative Commons License zur Verfügung gestellt haben.

Auf dem Open Space der Agile Lean Munich Anfang November 2019 hatte ich dann Gelegenheit, das Format auszuprobieren. Von den Teilnehmern kam beim anschließenden Debriefing viel positives Fee

dback zu dem Format. Besonders hoben sie hervor, dass nicht nur der Moderator aktiv ist, sondern sich bis zu 1/3 der Übungsgruppe aktiv an der Lösung der Meeting-Herausforderungen beteiligt. Gelobt wurde auch das flüssige Format, das ohne ständiges Unterbrechen und Neustarten der Diskussion auskommt. Ein Teilnehmer stellte fest, dass das Rollenspiel auch hervorragend geeignet ist, um gewohnheitsmäßigen Meeting-Teufeln den Effekt ihres Verhaltens zu verdeutlichen.

Das Setting und der Ablauf

Wie ist nun so ein Playground gestaltet? Beginnen wir mit den Rollen: Es gibt eine Diskussionsgruppe (3-12 Teilnehmer), einen Moderator, einen Teufel, Facilityangels (1-3) und eine Jury (1-3) – zusammen also mind. 7 und höchstens 20 Teilnehmer. Außerdem braucht ihr mind. 45 min Zeit sowie ausgedruckte Anleitung und Moderationskarten, die wir hier für Euch bereitgestellt haben.

Eine Gruppe diskutiert ein Thema, ein Moderator unterstützt sie dabei. Der Teufel gibt der Gruppe währenddessen der Reihe nach 5 kontraproduktive Verhaltensweisen vor. Die Facilitangels schlagen dem Moderator passende Facilitation-Techniken vor, wie man damit umgehen kann. Nach dem Ende einer Runde bewertet die Jury, ob der Teufel das Meeting zerstören konnte oder ob Moderator und Facilitangels die Diskussionsrunde retten konnten.

Teufel und Facilitangels nutzen dabei A4-Moderationskarten für ihre Anweisungen, so dass die Gesprächsrunde ohne Unterbrechung weiterlaufen kann. Der Trick: die Teilnehmer sind so positioniert, dass der Moderator den hinter ihm stehenden Teufel nicht sehen kann, Gruppe und Facilitangels dagegen schon. Der Moderator hingegen kann die auf der anderen Seite für die Gruppe nicht sichtbar postierten Facilitangels sehen.

Do-it-yourself

Damit Euer erster Devil’s Facilitation Playground gut funktioniert, habe ich hier noch ein paar praktische Hinweise für Euch:

  • Ohne das passende räumliche Setting funktioniert die Übung nicht. Haltet Euch an die Skizze.

  • Nehmt mit einer Gruppe, die täglich zusammensitzt, kein Thema, das die Gruppe gerade aktiv bewegt, sondern begebt euch bewusst in eine Rollenspiel-Situation. Es geht darum, Facilitation zu üben, nicht das diskutierte Thema voranzubringen.

  • Der Teufel muss den Moderator und die Facilitangels fordern, aber nicht überfordern. Geschwindigkeit und Auswahl der kontraproduktiven Verhaltensweisen muss zu ihren Fähigkeiten passen. Ziel ist es, zu lernen, nicht zu frustrieren.

  • Nehmt Euch genügend Zeit für das Debriefing. Wie ging es dem Moderator, den Facilitangels? Was war die Beobachtung der Jury? Welche Techniken haben funktioniert, welche nicht?

Damit solltet Ihr bestens gerüstet sein! Probiert den Devil’s Facilitation Playground doch einfach mal aus! Mich würden Eure Erfahrungen damit sehr interessieren. Hinterlasst gerne Kommentare hier oder kontaktiert mich direkt, auch wenn Ihr Verbesserungsempfehlungen habt.

Weiterführende Informationen

Wenn Ihr tiefer in das Thema „Facilitation“ und den Umgang mit Herausforderungen in Meetings einsteigen wollt, kann ich den „Facilitator’s Guide to Participatory Decision Making“ von Sam Kaner wärmstens empfehlen. In Kapitel 14 werden dort dreißig häufige Herausforderungen für Facilitatoren behandelt – mit typischen Fehlreaktionen und besser funktionierenden Alternativen.

Dokumente: Anleitung und Moderationskarten

DevilsFacilitationPlayground_Anleitung

DevilsFacilitationPlayground-it-economics

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